Mittwoch, 6. Juni 2012

FA 50 / F1.4 im Test

PENTAX hat im letzten Monat das neue DA 50mm F1.8 angekündigt als "ideale Einsteiger-Portraitobjektiv für digitale Pentax-SLR-Kameras". Starke Worte und aus meiner Sicht die richtige Zeit, sich noch einmal mit einem anderen, altgedienten AF-Objektiv im PENTAX Programm zu beschäftigen ...
FA 50  - mit Blendenring und Brennweitenfenster

Das smc Pentax-FA 50mm F1.4 ist schon ein Kuriosum im PENTAX-Objektivangebot. Laut Bojidar Dimitrov's Pentax K-Mount Page ist die Linse bereits seit 1991 am Markt, sie stammt also aus analogen Zeiten und ist wahrscheinlich das dienstälteste PENTAX Objekt, das man noch neu erwerben kann (obwohl es mir unklar ist, ob es noch produziert wird). Derzeit gib es noch zahlreiche Händler wie Amazon, die das FA 50 anbieten. Ich nehme aber an, dass spätestens mit dem Erscheinen des neuen DA 50 die Tage dieser betagten FA Brennweite gezählt sind, zumal es ja noch das DA* 55mm F1.4 und andere ähnlich angelegte Limiteds gibt. Grund genug für mich, sich dieses Objektiv noch einmal genauer anzuschauen und zu prüfen, ob es nicht einen Platz im eigenen Objektivpark verdient hat.

FA 50 an einem K-5 Body
Dass das FA 50 bereits einige Jahre auf dem Markt ist, erkennt man schon an der unscheinbaren, grauen Schachtel, in denen die FA Objekte aus dem Hause PENTAX verpackt sind. Das Objektiv hat keinen Quickshift, und es wird auch keine Gegenlichtblende mitgeliefert. Nach dem Auspacken erkennt man auch an der (wertigen) Plastik-Konstruktion des Gehäuses, der Brennweitenanzeige und des Blendenrings, dass es nicht mehr ganz zu den aktuelleren D(F)A oder auch FA Limited Objektiven passt.

Lamellen für ein weiches Bokeh
Die 50mm galten in analogen Kleinbild-Zeiten als "Normalbrennweite". An aktuellen Pentax DSLRs mit 1,5x Crop-Faktor wird das Objektiv zu einer kurzen Tele- bzw. Portrait-Brennweite. Hinzu kommt die herausragende Lichtstärke von 1.4 sowie die dem Objektiv nachgesagte "Cremigkeit" bei offener Blende. Auch die immerhin acht Blendenlamellen für ein weiches Bokeh stehen einer Linse für Portrait-Aufnahmen sehr gut.

Meine konkreten Erfahrungen der ersten Tage bestätigen die Aussagen, die man in vielen Tests im Internet bspw. bei DPreview, Photozone oder Pentaxforums nachlesen kann:
  • bei offener Blende soft, aber nicht unbedingt unscharf (eher fehlender Mikrokontrast, den man in EBV gut korrigieren kann).
  • ab Blende 2.0 gute, spätestens ab 4.0 sehr gute Auflösung und Schärfe, auch bis zum Rand
  • gut korrigiert, keine nennenswerte Verzerrung oder Vignettierung, leichte CAs
  • zufriedenstellende AF Leistung über Stangenantrieb
  • kompakt und leicht, kann immer "dabei" sein
Siemensstern
Um die Bildqualität besser beurteilen zu können habe ich von Stativ aus einige Probeaufnahmen eines Siemenssterns bei verschiedenen Blendenwerten gemacht (wobei ich wohl nicht optimal ausgerichtet habe). Für die Pixelpeeper unter Euch gibt es hier die RAW Dateien zum Download, natürlich im PEF Format:
1.4 - 2.0 - 2.8 - 4.0 - 5.6

FA 50 mit Gummi-Gegenlichtblende

Als Ergänzung zu dem Objektiv habe ich mir eine Gummi-Gegenlichtblende gegönnt. Ich hatte schon an der ein oder anderen Stelle eine   Empfehlung für eine Sonnenblende gelesen, um den Mikrokontrast bei offener Blende zu steigern. Ob das stimmt, habe ich noch nicht festgestellt, aber schaden wird die "Geli" nicht. Sie trägt auch nicht dick auf  und ist schnell funktionsbereit - passt irgendwie zu dieser Linse.

Mit der Bildqualität meines aktuellen Exemplars bin ich zufrieden. Die Fotos sehen ausgewogen und natürlich aus. Kontrast, Farbstimmung und Schärfe stimmen einfach. 
Dazu muss ich sagen, dass ich das FA 50 bei Amazon bestellt hatte, und die erste Lieferung des Objektivs nicht optimal zentriert war. Die zweite Lieferung hat aber gepasst. Weiter muss ich eingestehen, dass ich schon in den letzten Jahren es zweimal mit einem FA 50 probiert habe. Ich denke, ich war damals noch nicht "reif" genug für die Linse, da gerade die geringe Schärfentiefe bei offener Blende eine sehr exakte Fokussierung erfordern. Ein Back- oder Frontfokus in Zusammenspiel mit der eigenen Kamera kann hier sehr schnell zu Enttäuschungen führen. Da zahlt es sich aus, einen PENTAX Body mit AF-Feinjustierung zu haben, wie sie bspw. die K7 oder K5 bieten. 

Zusammenfassend bin ich vom FA 50 F1.4 richtig positiv überrascht. Es ist eine angenehme Portrait-Linse mit ausgewogener Bildqualität. Aufgrund der herausragenden Lichtstärke hat man viel Spielraum zur Freistellung von Motiven, und natürlich auch für Available-Light-Fotografie. Einzig eine etwas geringere Naheinstellgrenze würde ich mir wünschen, aber es ist halt kein Makro. Den aktuellen Preis von ca. 320 EUR finde ich angemessen. Jetzt bin ich gespannt, inwiefern sich das neue DA 50 behaupten kann. Ein Metallbajonett oder Entfernungsskala scheint es schon einmal nicht zu haben ...

Fazit: Oldie but Goodie


Hier noch ein paar Beispielfotos, leicht mit Lightroom 4.1 bearbeitet. Übrigens gibt es in LR kein eigenes Korrekturprofil für dieses Objektiv, was aber nicht schlimm ist, da es ja keine nennenswerte Verzerrung aufweist.

F3.2, ISO 800, 1/10s
F2, ISO 400, 1/100s
F2.2, ISO 100, 1/400s
F8, ISO 100, 1/90s
F4, ISO 100, 1/500s

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