Montag, 11. Februar 2013

Mein erstes Sternchen - DA* 16-50 im Vergleich zum DA 16-45

Nach dem Verkauf meines einzigen Limiteds im letzten Jahr ist die Sehnsucht nach etwa Besonderem in meinem Objektiv-Portfolio geblieben. Sicher, da sind das DA 10-17 Fisheye und einige Festbrennweiten. Alles Linsen, die ich sehr mag und schätze. Aber insgesamt versuche ich immer Preis und empfundenen Nutzen gegeneinander abzuwägen. Was fehlt, ist ein begehrenswertes Objektiv zum Liebhaben und Anhimmeln.

Die DA* Reihe stellt neben den Limiteds den zweiten High-End-Bereich für PENTAX Objektive dar. Zeichnen sich die Limiteds durch Kompaktheit und Aluminium-Gehäuse aus, stehen bei den DA* Gläsern andere Eigenschaften im Vordergrund. Sie weisen eine hohe Lichtstärke auf, fokussieren über einen Ultraschallantrieb (SDM) und bieten eine hochwertige Verarbeitung mit Schutz vor Feuchtigkeit und Staub. PENTAX nennt die zusätzliche Abdichtung bei den Sternchen-Objektiven "All-Weather". Inwiefern sich das von der WR Auszeichnung anderer Objektive wie dem DA 18-135 WR oder DA 18-55 WR unterscheidet, hat sich mir noch nicht erschlossen.

Meine aktuellen PENTAX Standard-Zooms
Da ich immer mal wieder auf ein lichtstarkes Standard-Zoom in Ergänzung zu meinem DA 18-135 WR als Universal-Zoom hoffe, habe ich mich nun dazu hinreißen lassen, ein DA* 16-50 F2.8 gebraucht in der Bucht zu ersteigern. Die Konkurrenten von Sigma und Tamron (beide 17-50 mm bei Blende 2.8) konnten in mir nicht dieses Gefühl des "Haben-Wollens" auslösen, obwohl sie laut einem lesenswerten Vergleichstest bei pentaxforums.com zumindest von den optischen Leistungen die Nase (bzw. Objektiv-Tubus) vorne haben - und dazu noch günstiger zu haben sind.

Ein weiteres Zoom in diesem Brennweitenbereich kommt von PENTAX selbst. Das DA 16-45 gilt als die Low-Budget-Alternative zum Sternchen, die ich mir ebenfalls (erneut) bei eBay besorgt habe. Es ist eine Blende lichtschwächer, einfacher verarbeitet und ausgestattet - dafür kostet es gebraucht auch nur ein Drittel im Vergleich zum DA* 16-50. Recherchiert man im Internet vorab über die beiden PENTAX Objektive, findet man schnell die vorherrschende Meinung, dass das Sternchen in Sachen Bildqualität sich nicht klar von einem guten DA 16-45 absetzen kann. Es punktet vielmehr mit der Haptik sowie den Extra-Eigenschaften All-Weather und SDM. Der geräuscharme Autofokus ist aber durch das DA* 16-50 ziemlich in Verruf gekommen. Man findet viele Posts in Foren, die von einem häufigen Defekt des SDM berichten.

In den letzten zwei Woche hatte ich Gelegenheit, das Sternchen und sein günstigeres Alter-Ego auszuführen und zu testen. Dabei bestätigte sich der Eindruck, den ich mir im Web bereits angelesen hatte. Vorab möchte ich zu meiner subjektiven (!) Bewertung der Bildqualität sagen, dass ich davon überzeugt bin, dass keine zwei Objektive des gleichen Modells auch gleich gut abbilden müssen. Serienstreuung sei Dank erscheint es mir immer eine Art Lotterie, wie gut oder eben weniger gut eine Linse abbilden mag. Natürlich ist ein Limited oder DA* Objektiv auf mehr Bildqualität getrimmt, als ein Kit-Objektiv. Aber auch hier gibt es dezentrierte Gurken, wenn auch vielleicht weniger oft.

Aber zurück zur Sache bzw. zu den zwei Objektiven. Mit der Bildqualität beider  Zoom-Objektive bin ich durchaus zufrieden. Um den subjektiven Schärfeeindruck zu bewerten, hatte ich mal wieder einen Stadtplan vom Stativ aus mit Selbstauslöser fotografiert. Wie eigentlich jede Linse, macht auch bei meinem DA* 16-50 die Offenblende nicht richtig viel Laune, insbesondere in den Ecken der 16 mm Weitwinkel-Stellung. Abgeblendet wird es dann rasant besser. Im Vergleich zu meinem DA 16-45 (das in den Ecken noch abbildet) ist es bei Blende 4 subjektiv schärfer über die gesamte Fläche - allerdings ist Blende 4 beim einfachen DA auch erst die Offenblende.

DA* 16-50: Kontrastreich und subjektiv genügend scharf 
DA 16-45: Für mich kaum ein Unterschied in der BIldqualität zu erkennen.
Spätestens ab Blende 8 kann ich keinen nennenswerten Unterschied ausmachen. Pixel Peeper werden vielleicht noch Vorteile für das Sternchen sehen wollen, das möchte ich nicht bestreiten. Viel wichtiger in der Praxis: eine korrekte Fokussierung ist durch nichts zu ersetzen. Diese ist mir mit beiden Objektiven ab und zu gründlich daneben gegangen. Auch nicht schön: die heftigen CAs, die ich mit beiden Linsen provozieren konnte. Aber die haben bei meinen Pentax Objektiven schon "Tradition" und lassen sich ganz gut in der Bildbearbeitung beheben.

CAs im Gegenlicht. Gut erkennbar: Das DA* (links) hat mehr Blendenlamellen. Die Schärfe ist bei diesem Bild
 nicht repräsentativ fürs Sternchen. Das kann es deutlich besser als hier gezeigt.
Auf der Haben-Seite des DA* ist eindeutig die gefühlte Qualität. Haptisch ist das Sternchen ein Traum. Es fühlt sich einfach sehr, sehr wertig an, auch wenn es nicht wie die Limiteds ganz aus Aluminium hergestellt ist. Dafür ist es im Vergleich zum DA 16-45 schwerer (ca. 250g) und voluminöser (bspw. Filtergewinde 77mm gegenüber 67mm). Gewöhnungsbedürftig finde ich die Ausgestaltung von Zoom- und Fokus-Ring. Letzter läuft sehr geschmeidig, aber er ist viel prominenter und breiter als der Zoom-Ring angelegt, so dass ich oft statt der Brennweite aus Versehen die Entfernung manuell verstellt habe.

Der Autofokus über SDM ist geräuscharm (nicht geräuschlos) und ähnlich schnell wie der einfache Stangenantrieb des DA 16-45. Bei beiden Objektiven habe ich bei der Fokussierung auch öfters mal daneben gelegen (siehe oben), da darf natürlich auch immer der Nutzer hinter der Kamera der Schuldige sein. Beide Objektive bieten übrigens Quickshift, aber das Gefühl des manuellen Eingreifens beim DA* spielt schon in einer höheren Liga.

DA 16-45
DA* 16-50
Was ist mir sonst noch aufgefallen? 16 mm sind nicht gleich 16 mm. Beim Sternchen bekommt man etwas "mehr aufs Bild", zudem ist es nicht nur nominell in der Tele-Stellung länger, sondern auch faktisch. Dies wäre für mich aber kein Kriterium für den Kaufentscheid zwischen den beiden Objektiven. Während der Objektiv-Tubus in Weitwinkelstellung beim DA* eingezogen ist und Richtung Tele herausfährt, ist es beim DA 16-45 umgekehrt. Ich finde das irgendwie sympathisch anders. Selbstverständlich gibt es bei beiden Brummern mit aufgesetzter Gegenlichtblende deutliche Abschattungen bei Nutzung des integrierten Blitzes.

Und nun? Wird das was mit uns, mit dem Sternchen und mir? Heute muss ich festhalten: das DA* 16-50 ist sicher eine tolle Linse, aber mir ist der Aufpreis und das zusätzliche Gewicht zum DA 16-45  zu hoch, der Zugewinn an Bildqualität zu wenig. Sicher, wenn ich keine Festbrennweiten nutzen würde und nicht das DA 18-135 als universelle Lösung bei schlechtem Wetter hätte, dann wäre mein Fazit ein anderes. Bitte nicht falsch verstehen, das Sternchen ist eine begehrenswerte Linse, mit der man starke Bilder machen kann. Aber in mein Portfolio will es nicht passen. So sehr ist es möchte, meine Ratio obsiegt hier. Bevor ich eine emotionale Bindung zum Sternchen aufbauen kann, werde ich es doch lieber wieder verkaufen und einen anderen Pentaxian damit glücklich machen. Das Ersparte lässt sich sicher gut woanders investieren.

Das Sternchen geht. Und mein Wunsch nach dem "Besonderen" bleibt. Da muss wohl doch ein Limited einspringen ...


Nachtrag:
Pid hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Karten-Bilder zur Beurteilung des Schärfeeindrucks beim DA* 16-50 wirklich nicht gut sind. Ich habe daraufhin die Bilder noch einmal geprüft und festgestellt, dass der Kontrast AF weniger sicher ist als manuelle Fokussierung mit der digitalen Sucherlupe. Die Karten-Bilder habe ich nun aktualisiert, aber deutlich besser ist mein Exemplar des DA* nicht geworden. Und wie immer: es wird wahrscheinlich bessere Exemplare vom Sternchen geben. Ich vermute mal, pentaxforums.com hatten in ihrem Test auch nicht das beste Stück ;-)

Und noch ein Nachtrag:
Die Beispielbilder vom Stadtplan habe ich wieder entfernt. Ich weiß nicht, wie wahrscheinlich das ist, aber ich möchte keine Abmahnung riskieren. Verletztes Urheberrecht und so.

Kommentare:

  1. ...puh, wenn ich mir Dein DA*16-50 bei f4 und f8 anschaue, muss ich sagen, Du hättest nicht gebraucht kaufen sollen. Das entspricht ganz und gar nicht meinen Erfahrungen. Auch der Vergleich des DA 18-135 sieht für mich geradezu aus wie vertauscht. Die von Dir gezeigten Beispielbilder kann ich mit meinem Exemplar nicht verifizieren.

    LG Pid

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  2. Ja, vermute ich auch mal, dass da noch mehr gehen kann. Ich bin aber noch einmal kritisch mit meiner Test-Methode ins Gericht gegangen. Ich habe mit Kontrast AF fokussiert, ich versuche das noch einmal mit manueller Fokussierung und 10x Sucherlupe zu wiederholen, bevor das Objektiv verkauft ist. Aber die Real-Bilder waren schon besser. Ich glaube auch, das gebraucht oder neu hier nicht schützt, außer natürlich das Rückgaberecht. Ansonsten ist auf dem Objektiv ja noch Garantie und man könnte es zur Zentrierung bzw. Justage schicken, wenn das ein Problem sein sollte. Mal sehen. Ich hab den Blog-Eintrag schon ein wenig überarbeitet.

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