Freitag, 19. April 2013

Liebling, ich habe die Kamera geschrumpft

Klein und niedlich. Q mit 01 Prime
Nachdem ich in den letzen eineinhalb Jahren immer mal wieder Berichte über die PENTAX Q mit großer Neugier verfolgt habe und die Preise nun wirklich im Keller angekommen sind, konnte ich nicht mehr widerstehen. Gebraucht ist so eine Q mit 01 Standard Prime oder 02 Standard Zoom mit Glück bereits ab 160 bis 180 EUR zu ersteigern. Seltener sind die Double Kits im Angebot, aber genau so eins konnte ich mir nun sichern. Hurra!

Warum ich mir jetzt eine Q gönnen wollte, kann ich gar nicht sagen. Einem Nicht-Pentaxianer erscheint die Q sicher sehr befremdlich: eine Kamera mit wechselbaren Objektiven in den Ausmaßen einer Kompaktkamera, aber eben auch mit einem sehr kleinen Bildsensor (Crop-Faktor ca. 5,5) und zu einem beim Erscheinen horrenden Einstiegspreis (ca 700 EUR). Wer braucht sowas? OK, der Preis ist mittlerweile stark gesunken, da die Kamera schon seit einiger Zeit auf dem Markt ist. Auch ist der (kosmetische) Nachfolger Q10 bereits seit einigen Monaten im Handel erhältlich.
Noch kurz vor Abgabe meines finalen Gebots bei der eBay Auktion habe ich mich gefragt: Warum? Brauchst Du doch nicht! Egal. Die Neugier hat obsiegt. Und nach einer Woche Nutzung kann ich sagen: recht so.

Mit der Q kann man ganz "gewöhnlich" fotografieren.

Die kleine Q macht mir richtig gute Laune - und übrigens auch gute Fotos. Sie verteidigt derzeit immer noch den Titel der kleinsten digitalen Systemkamera der Welt. So ein Superlativ ist eigentlich sinnfrei, schmeichelt aber dennoch meine zarte PENTAX Seele. Was mich vielmehr begeistert ist die Tatsache, wie die Q zugleich so klein sein kann, dabei aber so leicht und intuitiv bedienbar ist und sich so gut anfühlt. Es macht richtig Spaß, sie einfach nur in die Hand zu nehmen, die perfekte Verarbeitung und Haptik zu erfahren, an den vielen Bedienelementen mit ihren satten Druckpunkten herumzuspielen und am manuellen Zoom-Ring (im Falle das 02 Standard Zooms) zu drehen. Die Bedienung geht PENTAX-typisch einfach von der Hand. Die Menüs sind klar strukturiert und jedem PENTAX Fotografen direkt vertraut. Ergonomisch ist die Q für mich also top, bis auf eine Einschränkung: der Monitor ist zwar brillant und hochauflösend, aber im Tageslicht aufgrund starker Spiegelungen schwer einsehbar. So wird die Bildgestaltung leider schnell zum Glücksspiel.

"Echtes" Bokeh geht auch ohne Bokeh Control Filter.

Für mich die größte Überraschung: die Q läßt mich anders fotografieren. Mit der K-5 und der Sony RX-100 (die weiterhin unangefochten die Familien-Foto- und Videokamera bleibt) fotografiere ich ausschließlich im Rohdatenformat und beschäftige mich dann am PC mit der konkreten Ausarbeitung in Lightroom.
Mit der Q ist das anders. Schuld daran ist neben der tollen Haptik und Bedienbarkeit unter anderem der (oder das?) Quick Dial. Auf fünf Positionen (zählt man die 0-Position dazu) lassen sich Smart Effect Funktionen wie Hochkontrast Farbextraktion oder benutzerdefinierte Bildeinstellungen (bspw. Umkehr- oder Infrarotfilm) legen. Und plötzlich laufe ich durch die Welt und suche Motive, die auf die Effekte passen könnten. Sowas hab ich vorher mit den anderen Kameras noch nie gemacht, und werde ich auch wohl in Zukunft nicht machen.

Hochkontrast Farbextraktion gelb ...
... blau ...
... und rot. 

Wenn die Q eines verdeutlicht, dann dass eine Kamera mehr ist als die Größe ihres Bildsensors. Ja, die Q ist "nur" auf dem Niveau einer Kompaktkamera, wenn es um die Bildqualität geht. Und ja, natürlich rauscht sie bei höheren ISO und leistet hier weniger als andere Edelkompakte oder Systemkameras mit größeren Sensoren. Aber klar ist auch, dass man mit ihr trotzdem richtig gute Bilder machen kann und dass man während des Fotografierens viel Spaß haben kann.
Ja, auch ich ertappe mich bei dem Gedanken mir auszumalen, was die Q für ein ultimatives Werkzeug sein könnte mit größerem Sensor und der Möglichkeit, mit echter Schärfentiefe jenseits von Software-basierten Bokeh Control spielen zu können. Aber so ist es halt nicht. Auf ihre Art ist die Q einzigartig. Wer eine Kamera reduziert auf Messwerte, für den ist die Q definitiv nichts. Man muss wohl ein wenig PENTAX-verrückt ein, um die Q zu lieben.

Wer jetzt nach der ganzen Schwärmerei angefixt ist, dem möchte ich ein paar Quellen im Web empfehlen jenseits der typischen Testberichte a la Digitalkamera.de oder imaging-resource.com:

  • Mein absoluter Favorit ist das Video von Blunty3000 bei youtube: New Favouritest Camera EVER in the Universe, EVER! Überzeugender kann man nicht von der Q schwärmen.
  • Einen eindrucksvollen Bericht mit vielen Fotos gibt es auf dem Blog von Wouter Brandsma aus Holland:  Pentax Q impressions
  • Viele Hintergrundinfos liefert der Online Photographer zur Q, inklusive Erklärungsversuch, warum die Q eine typisch japanische Kamera ist und woher das Q-System seinen Namen bezieht. Lesenswert sind auch die Kommentare, die die gesamte Diskussionsbreite Pro und Contra Q abdecken.
  • Der Blog Kodachrome21 beschreibt den persönlichen Werdegang des Autors zur Q in First Review and my Path to the Q. Schönes Fazit zur kontroversen Q-Diskussion: most "don't get the point." Auf dem Blog gibt es noch andere nette Posts, die sich mit der Q beschäftigen.

Mein Fazit? Lieber (jetzt noch) nicht. Die Q als Sympathieträger ist für mich eine Liebhaben-Kamera, ein echtes Sammlerstück. Sie wird nicht die Sony RX-100 als Familienkamera in unserem Haushalt und als kompaktes Arbeitsgerät für unterwegs ersetzen können. Sollte sie auch nicht. Die Q ist aber ab sofort für gute Laune zuständig!


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