Montag, 9. September 2013

Der Nach-Nachfolger - die neue Pentax Q7 im Praxistest

Auffällig ist sie schon, die neue Pentax Q7, wie sie da in quietschgelb vor mir liegt. Dabei hat es auch das Standard-Zoom erwischt, das ebenfalls einen farbigen Anstrich erhalten hat. 
Ricoh bietet die neue Kamera natürlich auch in klassischen Farben Schwarz und Silber an, aber wer will, kann sich seine Variante unter 6 Farben für den Griff und 20 für den Body selbst zusammenstellen. In den Disziplinen Farbvielfalt und Gehäusegröße dürfte die kleine Systemkamera damit derzeit noch Rekordhalter in ihrem Segment sein - gut für das Pentax-Ego, wem das wichtig ist.
Rekordverdächtig klein ist immer noch der Bildsensor für eine Kamera mit Wechseloptik, auch wenn dieser zu den ersten beiden Q Modellen um fast die Hälfte gewachsen und eigentlich das interessanteste neue Merkmal der Q7 ist. Dazu aber später mehr.

In den vergangenen Tagen hatte ich nun die Gelegenheit, das neue Familienmitglied im Pentax-Q-System genauer anzuschauen. Ricoh, der neue Markeninhaber von PENTAX, hatte mir Ende August ein Exemplar mit der Firmware 1.0 zum Testen bereitgestellt. Dazu erst einmal ein dickes Danke nach Hamburg!
Die Q7 ist der Nachfolger der Q10 (die ich nicht kenne bzw. auf der Photokina 2012 drei Minuten in der Hand hatte) und nun bereits die dritte Kamera im Q-System. Da ich ein großer Liebhaber der ersten Q bin, habe ich mir die Neue insbesondere im Vergleich zu meiner "Ur-Q" angeschaut. Dabei habe ich jetzt nicht versucht, alle Features der Kameras durchzutesten, sondern mich auf die grundlegenden Merkmale wie Bedienung und  Bildqualität konzentriert. Die Video-Fähigkeiten oder Scene Modes habe ich bspw. gar nicht ausprobiert. 
Q7 und Q Seite an Seite
Wie ich schon öfters hier im Blog geschrieben habe, mag ich die erste Q sehr. Sie ist seit einigen Monaten meine “Immer-Dabei-Kamera” die immer dann zum Einsatz kommt, wenn es mir weniger um Bildqualität geht, als vielmehr um unbeschwerten Spaß beim Fotografieren. Maßgeblichen Anteil dafür hat das kleine Gehäuse, das sich einfach gut anfühlt, sowie die einfache intuitive Bedienung.

Gehäuse


Der Erstkontakt, und dann das: bei den Merkmalen Gehäusequalität und Größe patzt die Q7 im direkten Vergleich mit der Q. Die neue Kamera hat in der Größe ein wenig zugelegt. Es dürften nur ein paar Millimeter sein, die Kamera ist  immer noch sehr kompakt - keine Frage. Aber einem Q-Besitzer dürfte der Größenzuwachs sofort auffallen. Wobei ich glaube, dass dieses Los die Q7 auch schon mit ihrem Vorgänger Q10 teilt. Die Kameras aus dem Q-System verteidigen aber immer noch die Position der kleinsten Systemkameras mit Bajonett und Wechseloptiken am Markt. Allerdings sind kleine MFT Systemkameras wie die Olympus E-PM2 kaum größer, insbesondere mit den Kit-Zoom-Objektiven. Hier finde ich es besonders bedauerlich, dass das Pentax 02 Standard-Zoom nicht ein wenig kürzer baut, zumal es am langen Ende mit F4.5 auch nicht außergewöhnlich lichtstark ist. Umso besser passt da das 01 Standard Prime zum Q-System.
Der Q7 Body ist ein wenig voluminöser als die erste Q.
Was im direkten Vergleich ebenfalls auffällt, sind die Sparmaßnahmen an einigen Bedienelementen. Während die Einstellräder an der Q aus Metall sind, mit eingefrästen konzentrischen Kreisen wunderbar anzuschauen, sind sie bei der Q7 einfach nur aus schnöden Plastik. Auch der Auslöseknopf kommt billiger daher, ebenso wie die “Außenhaut”des Gehäuses, die statt Q-Metall nun eher aus Kunststoff zu bestehen scheint. Einwandfrei ist dagegen die Verarbeitung, die schon bei der Q begeistern konnte.

Die Einstellräder der ersten Q sind aus Metall und fühlen sich sehr "wertig" an
Im Vergleich zur Q wirken die Plastik-Bedienelemente der Q7 billiger.
Erschwerend kommt die gelbe Lackierung hinzu, die sich einfach im direkten Vergleich nicht so gut anfühlt. Ich muss aber festhalten, dass die erste Q die Messlatte in Sachen Haptik und "Wertigkeit" aus meiner Sicht auch sehr hoch gehängt hat. Die Q7 hat hier sicher auch eine gute Benotung verdient, sie fällt aber im direkten Vergleich zur Q ab, die hier ein "sehr gut" verdient hat.

Bedienung und Funktionen


Die Anordnung der Bedienelemente ist nahezu identisch. Die liebgewonnenen Knöpfchen, Räder und insbesondere das Quick-Dial auf der Vorderseite erlauben eine einfache, intuitive Bedienung der Kameras. Der Handgriff der Q7 ist ein wenig ausgeprägter, griffiger, wodurch ich die Kamera leichter in einer Hand halten kann. Allerdings bereitet mir die Ur-Q hier auch nicht wirklich Probleme.


Der Griff der Q7 ist stärker akzentuiert - und lässt die Kamera wirklich etwas einfacher mit einer Hand halten.
Die Funktionsvielfalt ist weiterhin sehr reichhaltig: Bildsensor-Stabilisierung, ND-Filter (sofern das Objektiv dies unterstützt), HDR, zahlreiche Bildeinstellungen und Filter-Effekte, Verzerrungskorrektur usw. Die Möglichkeiten sind ähnlich vielfältig wie bei den großen Pentax DSLRs. Was allerdings weiterhin fehlt, ist ein vernünftiger Assistent für Panorama-Aufnahmen. 
Neu ist die 3D-Wasserwaage in der Q7. Im Display wird über eine horizontale und vertikale Skala angezeigt, ob die Kamera "korrekt" ausgerichtet ist. Ich freue mich über diese Unterstützung besonders bei Aufnahmen in Bodennähe oder über Kopf, wenn der Bildaufbau wegen des schrägen Blickwinkels auf das Display (das nicht klappbar ist) schlechter beurteilt werden kann. Netter Nebeneffekt des Bewegungssensors: Hochformat-Aufnahmen werden beim Überspielen der Fotos auf den Rechner automatisch gedreht. Bei der Q dagegen müssen die Bilder nachträglich manuell am Rechner angepasst werden, was ich sehr nervig finde.

Ein wenig umgestellt hat Ricoh die Menüs. So ist z.B. das Ein- und Ausschalten des ND Filters von der ersten Registerkarte auf die zweite gewandert, dafür ist die HDR Funktion nach vorne gekommen. Auch die optische Gestaltung hat sich ein wenig geändert, der Zeilenabstand der Menü-Texte ist etwas größer geworden und der Hintergrund hat eine leichte Textur erhalten. Die alte Q ist hier nüchterner gestaltet, was mir persönlich besser gefällt. Die wichtigsten Einstellungen sind über die INFO Taste weiter abrufbar, somit ist die Umgestaltung des Menüs für mich nicht so relevant. Gut finde ich, dass die Fokussierhilfe (Focus Peaking) bei der Q7 im INFO Menü als eigener Schalter untergekommen ist. Die Q dagegen "verschenkt" hier einen freien Platz.

Beim Autofokus konnte ich keinen Unterschied feststellen. Je nach Lichtsituation scheint mal die Q7 oder mal die Q einen "Ticken" schneller zu fokussieren (siehe auch mein kleines YouTube Video zum AF Vergleich). Was ich bei der Q sehr praktisch finde: bei Verstellung des Fokuspunktes bzw. -bereiches (über die entsprechende Fokus-Methode Select oder Multiple-AF-Points) kann über Druck auf die OK Taste dieser wieder sofort zentriert werden. Bei der Q7 ist dies nicht mehr möglich, bei OK-Druck wird einfach nur die Einstellung der AF Position verlassen. Will man wieder auf das Zentrum fokussieren, muss erneut der Fokusbereich manuell in die Mitte navigiert werden, was doch umständlicher ist.


Noch ein paar Worte zum Schnelleinstellrad bzw. Quick-Dial: ich finde dieses Bedienelement genial, denn es erlaubt mir einen sehr schnellen Zugriff auf meine liebsten Effekteinstellungen. 
Unter User 1-3 können verschiedene Kombinationen individueller Bildeinstellungen (Digitalfilter, Weißabgleich und benutzerdefiniertes Bild) frei auf die Quick-Dial Positionen gelegt werden. Das Speichern einer individuellen Kombination auf einem der "Programmplätze" 1-3 habe ich bei der Q noch ohne Anleitung gefunden (User-Modus-Manager, erreichbar über den Menüpunkt Schnell-Einstellrad und Wahl eines User-Programms). 
Bei der Q7 habe ich die Möglichkeit zum Speichern verzweifelt gesucht - ohne Erfolg. Erst das Lesen der englischen Bedienungsleitung hat mich erleuchtet: das Speichern der User-Programme erfolgt bei der Q7 über die Wiedergabe(!) eines Bildes bzw. die Playback Mode Palette. Da wäre ich allein wirklich nicht drauf gekommen. Und da habe ich nun endlich auch das Speichern der Crossentwicklungseinstellungen gefunden, die ich bei der Q nie gefunden habe. 
Nun ja, so gut die Bedienung ansonsten ist, so sehr hat sie mich in diesen Punkten überrascht. Wenn ich wohl genauer darüber nachdenke, kann ich dieser Lösung aber wieder etwas abgewinnen, da ich bei Gefallen eines Bildes eben nachträglich die Einstellungen sichern kann, die zum Bild geführt haben.


Bildqualität


Pentax hat in die neue Q7 einen etwa um die halbe Fläche größeren Bildsensor verpflanzt, der bei unveränderten 12 Megapixeln eine bessere Bildqualität aufgrund der geringeren Pixeldichte verspricht. Während ich die Q ungern auf mehr als ISO 800 treibe, sollte mit dem neuen Sensor höhere ISO Werte bei akzeptablen Rauschen und Detailverlust möglich sein. 

Der größere Sensor verringert den Crop-Faktor von ca. 5,5 der Q auf nun 4,6. Die bisherigen Q Objektive passen auch auf die neue Kamera, aber erweitern nun ein wenig den Bildwinkel. Das Standard Prime mutiert so von einer Normalbrennweite zu einem leichten Weitwinkel. 
Die Möglichkeiten zur Freistellung von Motiven durch das Spiel mit der (Un-)Schärfe sind meines Erachtens weiter sehr eingeschränkt bzw. auf den Nahbereich beschränkt. Die Sensorfläche ist einfach weiterhin zu klein, das Bokeh-Control (BC) Programm eher eine Spielerei. 
Aufgrund des größeren Ausleuchtwinkels fallen leider auch Abbildungsfehler der Objektive stärker auf. Die Verzerrungskorrektur (sofern eingeschaltet) im JPEG Format arbeitet aber sehr effektiv, wodurch aber auch die Bilder stärker beschnitten werden.

Q7 Jpeg "Out-Of-Cam" mit Verzerrungskorrektur und geraden Linien.
Q7 Rohdaten (DNG) ohne Korrekturen und deutlich sichtbarer Verzerrung.
Zur Beurteilung der Bildqualität habe ich einige Testaufnahmen von Stativ aus und mit Selbstauslöser mit dem 01 Standard Prime Objektiv als Referenz gemacht, natürlich mit gleichen Belichtungseinstellungen bezüglich Blende, Zeit und ISO. 
Zur Beurteilung des subjektiven Schärfeeindrucks habe ich zunächst einen Siemensstern abgelichtet. Um den unterschiedlichen Crop-Faktor auszugleichen, habe ich die Entfernung zum Motiv bei der Q7 gegenüber der Q verkürzt. Und wirklich zeigt die Q7 für Pixelpeeper ein klareres Bild bzw. eine feinere Detailauflösung, sowohl im Zentrum als auch an den Rändern, was sich mit zunehmender Blendenzahl natürlich relativiert. Zu starkes Abblenden führt aber wieder zur Abnahme der Gesamtschärfe. Blende 8 ist definitiv nicht zu empfehlen, sollte aber auch selten notwendig sein wegen der großen Schärfentiefe aufgrund der kleinen Sensorgröße und des zuschaltbaren ND-Filters.


Siemensstern Zentrum bei Blende 2,0. In der Mitte zeigt die Q7 mehr Detailauflösung beim Pixelpeeping.
Siemensstern unten links bei Blende 2,0. Die Q7 erscheint auch hier subjektiv schärfer.
Siemensstern unten links bei Blende 4,0. Die Unterschiede relativieren sich.
Auch das Thema Rauschverhalten setzt die Q7 erfreulich im direkten Vergleich zur Q um. Das Rauschen ist früh wie bei der Q erkennbar, wirkt aber viel "feiner". Selbst bei ISO 1600 wirkt das Rauschen auf mich gefällig und weniger zerstörend auf Bilddetails. 
Der ersten Q möchte ich dagegen keine ISO-Werte jenseits der 800 zumuten. Insbesondere die JPG-Engine der Q bügelt hier vieles glatt, während die Q7 deutlich zurückhaltender arbeitet, was bedeutet, dass das Rauschen klar erkennbar bleibt, aber Details erhalten bleiben. Selbst ISO 3200 sieht bei der Q7 noch brauchbar aus und bietet Potential zur Nachbearbeitung am Rechner. 
Was auch auffällt, ist der bessere Dynamikbereich der Q7 bei Aufnahmen mit ISO 1600 und höher. Bei der Q wirken hier die Bilder oft flau.  

Q7 vs Q bei ISO 400
Q7 vs Q bei ISO 1600
Q7 vs Q bei ISO 6400
Erfreulich finde ich, dass die Umschaltung auf das Seitenverhältnis 3:2 bei der Q7 für DNG Raws in Lightroom direkt übernommen wird, d.h. ich muss am Rechner nicht weiter beschneiden. Dennoch liegen die gesamten 4000x3000 Pixel in der Datei (die Dateigröße bleibt gleichgroß unabhängig vom Format). Four-Thirds ist eben nicht mein Format, ich mag es nicht. Da verschenke ich lieber ein paar Pixel. 

Praxisbericht



Letztes Wochenende hatte ich die Q7 und meine Q in der Vulkaneifel mit. Die neue Q7 durfte mich exklusiv auf einer Radwanderung auf dem Maare-Mosel-Radweg begleiten. Die Kamera passte plus Standard Zoom in die Seitentasche meines Trinkrucksacks. Sogar in die Radtrikottasche am Rücken konnte ich sie unterbringen, so dass ich sie immer schnell parat hatte, ohne vom Rad absteigen zu müssen. 

Das Fotografieren an sich gestaltete sich genau so unkompliziert und spaßig wie sonst mit der Q. Ohne den direkten Vergleich fallen Details wie das Mehr an Größe des Gehäuses um ein paar Millimeter oder die etwas billiger wirkenden Bedienelemente nicht ins Gewicht.
Die Bildqualität ist gefühlt besser, die Aufnahmen wirken auf mich schärfer und kontrastreicher. Das bestätigen für mein Empfinden auch einige Testaufnahmen, die ich am letzen Tag mit Q7 und Q parallel gemacht habe (siehe unten). 

Lästig ist weiterhin die miese Lebensdauer einer Akku-Ladung, die bei mir für ca 150 Aufnahmen gereicht hat. Ersatz-Akkus sind also auch bei einem Tagesausflug Pflicht (aber auch günstig über Drittanbieter zu bekommen). Dies gilt für Q7 und Q gleichermaßen.

Hier nun einige Fotos vom Fahrradausflug. Mehr gibt es im Flickr Album (dort haben sich auch zwei Q Fotos zum Vergleich eingeschlichen).

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Welche Aufnahme ist wohl mit der Q7 und welche mit der Q entstanden? Ich finde, der Unterschied in der Bildqualität ist schon erkennbar.



Ein kleines Detail noch zuletzt: bei der Q7 ragt meine Gegenlichtblende für das 02 Standard Zoom ins Bild, zumindest wenn im Raw-Format (also ohne Verzerrungskorrektur) fotografiert wird. Dies ist wohl dem geänderten Crop-Faktor geschuldet.

Die schwarzen Ränder oben stammen von der Geli an der Q7 mit 02 Standard Zoom (unbearbeitetes DNG)

Was bleibt?


Mein persönliches Fazit ist schnell auf den Punkt gebracht: die erste Q ist die schönere Kamera, aber die Q7 macht die besseren Bilder. 
Wer noch nicht ins Q System eingestiegen ist, aber ernsthaft darüber nachdenkt, sollte sich die Q7 anschauen. Die Bildqualität ist meines Erachtens wirklich ausreichend für den Alltag, die Kamera immer noch schnucklig. Und sie macht vor allem aufgrund ihrer Größe, Haptik und einfachen Bedienung viel Spaß.

Ich vermute mal, das Q-System wird es weiterhin im deutschen Markt schwer haben. Zu groß und übermächtig ist die Konkurrenz, und zu schwer scheint mir die Bürde des kleinen Bildsensors zu wiegen. Ich freue mich aber, dass Pentax bzw. Ricoh das System mit der Q7 weiter ausbaut und bin gespannt, was noch kommen wird. 

Wenn ich jetzt selbst noch keine Q hätte, dann wäre die neue Q7 sicher eine Verführung als neue Immer-Dabei- und Spaßkamera. Allerdings dann nicht in quietschgelb ;-)


PS:
Wer noch nicht genug hat: einen sehr lesenswerten Pentax Q7 Review gibt es bei dpreview.

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