Sonntag, 22. September 2013

Ricoh GR im Kurztest (und die Q7 dabei)

Im Rahmen einer Testaktion mit dem Pentaxians Forum hatte ich letzte Woche ein paar Tage die neue Ricoh GR hier. Die Ricoh ist eine Kompaktkamera mit APS-C Sensor und 18,3 mm Festbrennweite (bzw. 28mm im KB-Format) und Offenblende 2,8. Sie ist bereits das fünfte Modell der digitalen GR Reihe, die mit der Ricoh GR Digital 2005 ihren Anfang nahm.

Ricoh GR und Pentax Q7 Seite an Seite
Im Grunde hatte ich nur wenige Stunden Zeit, mich mit der Ricoh GR intensiver auseinanderzusetzen, aber ich denke, dass reicht für einen ersten Eindruck. An einem Nachmittag war ich mit der GR unterwegs bei Schloss Augustusburg in Brühl. Außerdem dabei dabei war die Pentax Q7, die noch ein paar Tage zur Ansicht hatte.

Obwohl die GR größer erscheint, ist sie doch eher "hosentaschentauglich" (bei eingefahrenen Objektiv)
Die neue Ricoh ist weniger ein Ausstellungsstück, als ein echtes Arbeitsgerät. Das Gehäuse ist schwarz, unaufgeregt und schnörkellos, die Verarbeitung tadellos, das Außen-Plastik (?) hochwertig. Hier gefällt mir aber dennoch das Magnesium-Gehäuse einer Pentax Q (der ersten, nicht der Q7) besser. Die Kamera wirkt relativ leicht ob ihrer Größe. Die Ricoh GR darf sich sicher kompakt nennen, zumal sie einen APS-C Sensor (wie auch die Pentax K5) beherbergt, aber dennoch wirkt sie natürlich größer als eine Pentax Q oder Sony RX-100. Aber sie ist definitiv hostentaschentauglich, da sie mit eingefahrenem Objektiv flach genug ist. Ein echter Vorteil gegenüber den Kameras aus dem Q-System, deren Objektive mit Gehäuse zu tief bauen.

Die Kamera liefert Fotos in toller Bildqualität, wie man es von dem Sensor und einer Festbrennweite erwarten darf. Die Raw Dateien im DNG Format sind bereits sehr kontrastreich und zeigen eine hohe Detailauflösung. Die Raws benötigen aus meiner Sicht kaum eine Nachbearbeitung. Ich fand die JPGs "Out-Of-Cam" in den Standard-Einstellungen vielleicht ein wenig flau und warm, aber eigentlich nur im direkten Vergleich mit den in Lightroom importierten Raws. Aber dies ist definitiv Geschmacksache und in der Kamera einstellbar, also nicht negativ zu bewerten. Wie gesagt: die Bildqualität ist über jedem Zweifel erhaben. Auch Verzeichnung oder Farbfehler konnte ich nicht ausmachen. Dagegen sind bei der Q eigentlich softwaresseitige Objektivkorrekturen Pflicht (auch ein Grund, warum ich hier immer in JPG fotografiere und die in der Kamera eingebauten Korretkturmöglichkeiten nutze).

Das Ricoh GR Objektiv zeigt keine optischen Schwächen, die 16MP Auflösung werden voll bedient.
Was mich nicht sonderlich begeistert hat, war die Leistung des Autofokus. Bei gutem Licht gab es bei statischen Motiven erwartungsgemäß keine Probleme. Allerdings ist der Kontrast-AF der GR meinen Kindern nicht gewachsen: sobald die Kamera vermeintlich scharfgestellt hatte, waren die auch schon wieder woanders. Der Phasen-AF einer DSLR erhöht hier deutlich die Trefferquote.

Einer der seltener gelungenen Portrait-Schnappschüsse. Bei statischen Motiven fühlt sich der AF wohler.
Ich hatte im Vorfeld einiges Positives zum Autofokus der GR gelesen, aber jetzt würde ich auf keinen Fall sagen, dass er besser ist als beispielsweise der AF von der Sony RX 100 (eher schlechter). Insbesondere bei schwachem Licht bekam der Autofokus der Ricoh vermehrt Probleme. So gab es einige Situationen am Abend, bei denen die Q7 noch fokussieren konnte (bzw. vorgab, die Schärfe erfolgreich einzustellen), die Ricoh dagegen aber nicht mehr - wohlgemerkt beide mit abgeschalteten AF Hilfslicht.
Und noch eine Kleinigkeit zur Bedienung: ich verschiebe gerne das AF Feld. Bei der Q und Q7 kann ich das in groben Schritten machen, so dass schnell ein Bereich abseits des Zentrums ausgewählt werden kann. Bei der Ricoh ist das leider nur in feinen Schritten möglich (oder ich hab's nicht gefunden), was mir nicht entgegen kommt.

Effektfilter wie Hochkontrast kann die GR auch. Trotz geringem ISO-Wert gibt es dann eine starke Körnung (wohl
so von der Effekteinstellung gewollt). Dafür gibt es für Effekte eine eigene Taste an der Kameraseite.
Speziell der Hochkontrast "Smart Effect" gefällt mir mit der Q7 besser.  Die Bedienung über Quick-Dial
an der Vorderseite ist unübertroffen.
Und wo ich gerade bei den negativen Dingen bin: mit dem Menü-System konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden. Klar, das ist auch immer Gewöhnung. Die Einstellmöglichkeiten sind wirklich sehr, sehr vielfältig. Aber warum sind dann diese auf nur drei Funktionsbereiche auf oberster Ebene verteilt, so dass unter Umständen sehr tief in einem Bereich herunter gescrollt werden muss, bis die gesuchte Auswahlfunktion bzw. Einstellung gefunden wird? Wie das besser geht, zeigen hier die Pentax Modelle.

Der Monitor ist erste Sahne, die "Wasserwaage" sehr sinnvoll, aber grafisch wenig ansprechend umgesetzt.
Ein absoluter Aktivposten der GR ist ihr hochauflösender Monitor, der wirklich hervorragend als Sucher zu gebrauchen ist. Im Vergleich sehen hier die Pentax Q-Modelle richtig mies aus, nicht nur wegen der geringeren Auflösung, sondern auch wegen der stärkeren Anfälligkeit für Lichtreflexionen.

Mit im Testpaket war noch eine Gegenlichtblende sowie der Weitwinkelvorsatz GW-3. Letzterer drückt die Brennweite auf 14 mm Ultraweitwinkel (bzw. 21 mm KB Pendant). Das bedeutet schon einen gewaltigen Unterschied in der Bildwirkung. Allerdings geht das zusätzliche Glas auch richtig ins Gewicht. Die ansonsten leichte und handliche Kamera wird dann sehr "kopflastig". Vielleicht eine Note der Geschichte ist die Beschriftung des Vorsatzes: PENTAX RICOH IMAGING.

Schöne Beschriftung am Weitwinkelvorsatz.
Insgesamt finde ich die Ricoh GR sehr sympathisch. Ein Arbeitsgerät mit toller Bildqualität, das in die Hosentasche passt und immer dabei sein kann. Mir persönlich passt die Beschränkung auf nur eine Brennweite nicht (Vorsatzlinsen finde ich nicht praktikabel). Aber wer damit leben kann, wird sicher mit den Bildergebnissen sehr zufrieden sein.
Aufgrund der 28 mm ist die Kamera wahrscheinlich eher für Landschafts- und Architekturfotografen geeignet, für Street wäre sie vielleicht schon wieder zu weitwinklig.

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Ricoh GR, ein Album auf Flickr.

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