Montag, 23. Dezember 2013

Normalos unter sich - FA 35mm und DA 35mm Limited im Vergleich

Nehmen wir mal an, es gäbe keine Objektive mit variabler Festbrennweite (sprich Zoom). Und nehmen wir an, man müsste sich auf eine einzige Brennweite beschränken. Dann wäre bei mir die Wahl schnell getroffen. Ein 35er muss es richten. Nicht umsonst gelten Brennweiten um diesen Wert als Standard- oder Normalbrennweite an Kameras mit APS-C Sensor-Format wie die aktuellen PENTAX DSLRs.
Seit über einem Jahr nutze ich ein lichtstarkes FA 35mm f/2.0 Objektiv als meistgenutzte Festbrennweite. Die Linse habe ich vor etwa über einem Jahr gebraucht gekauft und seitdem bei den unterschiedlichsten Motiven eingesetzt.

Mit 35mm geht (fast) alles. Portrait ...
... Details ...
... Landschaft ...
... und Architektur.

Nachdem ich endlich auch von den Limiteds infiziert bin, habe ich mich gefragt, ob ich das FA 35mm nicht nun doch gegen ein DA 35 f/2.8 Limited austauschen soll. Klar, das DA ist eine Blende lichtschwächer, dafür aber ein echtes Makro im begehrten Limited-Gewand.
Im Netz findet man immer wieder Liebesbekundungen für beide Objektive (z.B. hier oder hier). Um mir nun selbst ein Bild zu machen und direkt zu vergleichen, habe ich mir vor einigen Wochen ein gebrauchtes DA 35mm Limited besorgt. Der aufmerksame Leser meines Beitrags zu Nikolaus wird bereits erahnen, welches Objektiv nach dem Vergleich bei mir bleiben durfte ....

Beide Objektive präsentieren sich in deutlich unterschiedlicher Anmutung. Hier das moderne Limited-Objektiv im schwarzen Metallgehäuse und kompletter (teilweise gravierter) Beschriftung inklusive Schärfentiefenskala. Für die kompakte Größe wirkt es ein wenig schwer, obwohl es gerade nur etwas über 200g auf die Waage bringt. Die Haptik ist Limited-typisch hervorragend. Der Fokusring läuft butterweich über einen großen Stellweg, wie es bei einem Makro sein sollte. Meine persönlichen Highlights sind die eingebaute, ausziehbare Streulichtblende sowie der innen mit Samt ausgeschlagene metallene Objektivdeckel.

Dort dann die FA-Optik aus der Zeit der analogen Fotografie im einfachen, dunklen Plastik-Kleid mit eigenem Blendenring. Aufgrund der äußeren Kunststoffbauweise wirkt es leichter als das Limited, nominell sind es aber nur 20 Gramm Unterschied. Die Größe beider Kontrahenten ist nahezu gleich, auch haben sie die gleiche Filterfassung von 49mm. Ich persönlich mag ja das Plastik-Feeling der FA-Reihe, aber die Limited Objektive spielen hier schon in einer anderen Liga.

Mit FA 35mm f/2.0 und DA 35mm f/2.8 unterwegs durch die Wahner Heide
Der Autofokus des FA 35mm erscheint an der K-5 IIs subjektiv schneller, zupackender und "entscheidungsfreudiger". Aber auch beim DA gibt es eigentlich nichts zu meckern. Sicher, wenn der AF mal nicht trifft dauert der Durchlauf durch den gesamten Stellweg schon eine gewisse Zeit, aber zum Glück passiert das sehr selten (zumindest beim Phasen-AF).
Ich hatte ab und an im Netz gelesen, dass der AF bei mittleren und großen Distanzen Schwierigkeiten hätte bzw. im Unendlichen die Schärfe nicht richtig stimmen könnte. Meine Erfahrung ist da eine andere. Ganz im Gegenteil sind auch klassische Landschaftsaufnahmen bestechend scharf. Auch ein vermehrtes "Pumpen" bei wenig vorhandenen Licht kann ich nicht feststellen, was aber auch am sehr guten Autofokus der K-5 IIs liegen kann.
FA 35. Die Offenblende von 2.0. schafft mehr
Potential zum Freistellen als ...
... Blende 2.8 beim DA 35 (siehe Baumstamm
und Zweige im Hintergrund)

Ein offensichtlicher Vorteil der älteren FA-Optik ist die höhere Lichtstärke. Zwar gewinnt das Objektiv in seiner Abbildungsleistung noch einmal klar, wenn es abgeblendet wird, aber auch die Offenblende ist gut zu gebrauchen, wenn das Hauptmotiv nicht am Rand liegt. Angenehm überrascht hat mich das hellere Sucherbild des FA Objektivs gegenüber dem Limited.
Das DA ist zwar eine Blende lichtschwächer und bietet dafür weniger Möglichkeiten bei der Freistellung (bei gleicher Motiv-Distanz), dafür ist die Offenblende vorbehaltlos nutzbar.

Auch "im Unendlichen" fokussiert das DA 35 Limited korrekt und beweist seine hohe Abbildungsleistung
Das DA 35mm Limited Macro ist ohne Tadel, was den subjektiven Schärfeeindruck betrifft. Und zwar über den gesamten Bildbereich. Das FA ist auch sehr gut, im direkten Vergleich aber in den Randbereichen ein wenig schwächer. Auch zeigt es eher Farbsäume bei kleinen Blendenzahlen als das Makro. Ab Blende 5.6 oder spätestens 8 sehe ich einen Gleichstand. Dafür erscheint mir persönlich das Bokeh des FA ein wenig "gefälliger".
Die FAs sind bekannt, mit einem ganz besonderen Farbcharakter abzubilden. Hier konnte ich keine Unterschiede feststellen. Beide Objektive gefallen!

Beide Objektive mit schönem Bokeh bei Blende 2.8 - FA (links) leicht abgeblendet, DA (rechts) offen
Eine kleine Überraschung zum Schluss: ich habe noch einige Vergleichsaufnahmen mit meinem DA 18-135mm Standard-Zoom mit deren größter Blende 4.5 bei 35mm geschossen. Diese sind im Zentrum auf dem Niveau der beiden Festbrennweiten (wenn nicht noch kontrastreicher), allerdings am Rand deutlich schwächer. Das 18-135er ist aber auch dafür bekannt, dass es in der Mitte ausgezeichnet abbildet (zumindest im mittleren Brennweitenbereich). Bei Blende 8 sind auch die Randbereiche gut.

FA 35mm mit typischem Farbcharakter der FA Objektive aus der PENTAX "Filmära"

Und nun? Allein aus Sicht der Bildqualität könnte ich keinem Objektiv eindeutig den Vorzug geben. Beide liefern hervorragende Ergebnisse. Das FA bietet eben mehr Lichtstärke, das DA eine homogenere Bildqualität bereits bei Offenblende. Das Limited punktet durch seine hochwertige Bauweise und seiner Makro-Eigenschaften. Dazu ist es uneingeschränkt in alltäglichen Aufnahmesituationen einsetzbar.

Freihand-Makro mit dem DA 35 Limited. Die geringe Naheinstellgrenze eröffnet ungewöhnliche Sichtweisen.

Letztendlich muss ein Objektiv gehen, beide zugleich kann und will ich mir nicht leisten. Den Ausschlag gibt der Haben-Wollen-Faktor, den die Limited Objektive erzeugen. Aber ich kann auch Vernunftgründe anführen (sofern es diese überhaupt beim Hobby gibt), denn das 35er Macro kann sowohl mein FA 35mm als auch das mein bisheriges Macro DFA 100mm WR ersetzen, das ich in der Vergangenheit zu wenig genutzt und dessen freien Arbeitsabstand ich in der Praxis kaum benötigt habe. 

Leicht ist mir der Verkauf des FA 35mm nicht gefallen, ich mag halt die FA Objektivreihe. Aber es bleibt ja noch das gute FA 50 f/1.4 in meiner Sammlung, für das ich auch keine Alternative sehe und suche.

Zum Abschied des FA 35 noch ein paar Fotos mit schönen Erinnerungen:





Kommentare:

  1. Hallo Dirk,
    schoener Vergeich und sehr nachvollziehbare Gruende.
    Beim Bokeh hast Du aber das FA benachteiligt. Nicht abgeblendet erzeugt jedes Objektiv rund Blendenflecken. Also entweder beide abblenden oder beide bei Offenblende.

    Grueße
    Heribert

    PS: wenn hier wenig Eintraege sind, kann das auch gut an der nicht ganz einfachen "AntiRobotPruefung" liegen

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Heribert! Vielen Dank für Deinen Kommentar. Also liegt es daran, dass ich das FA um einen Blendenwert auf 2.8 geschlossen, das DA aber bei 2.8 offen hatte? Das erklärt auch, dass eigentlich erst das neuere HD 35 abgerundete Lamellen haben sollte ;-) Danke für den Hinweis! Dirk

    AntwortenLöschen
  3. Interessanter Vergleich, auch mit dem "unfairen" Offenblenden-Vorteil (Heribert hat natürlich recht). Das DA 35 Macro Limited übernimmt in meinem Kit die Rolle des Standardobjektives, und es erlaubt mir obendrein auch noch sehr, sehr nah ranzugehen. Setze es weniger oft ein, als ich möchte, aber der größere Bildwinkel des DA 15 ist einfach zu verführerisch, wenn man Weitwinkel so mag wie ich. Hergeben würde ich mein 35er Macro trotzdem nicht so schnell, denn es ist ein echter Performer!

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Dirk,
    fast ein Jahr ist das 35 mm Makro dann bei Dir gewesen.
    Alles was Du bisher zu diesem Limited geschrieben hast, klang sehr angetan.
    Neugierig wie ich bin, warum wird es verkauft! Was tritt die Nachfolge an?
    Grüße
    rdo

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, eben erst gesehen ... Ja, das 35er hab ich verkauft, weil ein FA 43 finanziert werden wollte. Ob das ein Fehler war, weiss ich noch nicht. Als Makro war mir das 35er zu kurz (Abschattung), und ansonsten habe ich fast immer das 21er oder 70er, zuletzt das 50er genutzt. Die Konkurrenz war zu groß :)

      Löschen