Freitag, 20. Juni 2014

Zwei Kompakte von PENTAX im Vergleich: MX-1 und Q7

Im April hatte ich es bereits in meinem Post zum Auspacken der Q7 erwähnt: kurz zuvor hatte ich eine gebrauchte PENTAX MX-1 erworben und war auf den Vergleich mit der Q7 gespannt. Die MX-1 ist für mich bereits wieder Geschichte (also verkauft), was nichts daran ändert, dass sie für viele Pentaxianer derzeit ein sehr interessantes Angebot als kompakte Immerdabei-Kamera darstellt.
Da sich die Frage MX-1 versus Q7 auch andere stellen, möchte ich meine Gedanken dazu hier zusammenfassen.

Zweimal PENTAX kompakt: Systemkamera Q7 und Edel-Kompakte MX-1.
Die MX-1 ist eine sehr attraktive Kamera, mit klarem, schnörkellosen Design, ein echter "Hingucker". Überrascht war ich dann doch ob der Größe und Schwere. Kompaktkamera mag ich das gar nicht mehr nennen. Irgendwie erinnert sie mich in diesen Eigenschaften an die K-01, die ja gerne als Ziegelstein betitelt wird. Bei der MX-1 hatte ich die gleiche Assoziation.
Größenvergleich aus der Vogelperspektive: MX-1 größer, aber weniger ausladend
Die Verarbeitung ist erwartungsgemäß sehr gut, die MX-1 wird schließlich als Edel-Kompakte platziert, besonders beworben mit ihrem verchromten Messing an Ober- und Unterseite. Die Q7 macht bezüglich ihres Äußeren auch einen soliden Eindruck, fällt aber leider gegenüber der ersten Q ein wenig ab bei der Materialauswahl der Drehräder. Auch ist die Q7 kleiner und deutlich leichter als die MX-1, wobei sich dies je nach angesetztem Objektiv relativiert. Mit eingefahrenen Zoom ist die MX-1 zumindest weniger tief als eine Q7 mit Standard Zoom oder sogar der 23mm schmalen Prime-Linse.
Bei der MX-1 passt für mein Befinden allein das motorgetriebene Zoom-Objektiv nicht ganz zum sonstigen Erscheinungsbild. Ein fest verbautes manuelles Zoom hätte ihr aus meiner Sicht besser gestanden. Der Objektivring mit Riffelung ist auch nur schöne Zier, es gibt keinerlei Bedienelemente direkt am Zoom wie Fokus- oder Blendenring.

Keine Seltenheit: wer den Objektivdeckel vergisst, wird mit Wartezeit bestraft
Ein echtes Ärgernis für mich ist der Objektivdeckel. Bis heute vergesse ich an jeder Kamera regelmäßig den Deckel vom Objektiv zu nehmen. Während ich bei der Q7 (oder den PENTAX DSLRs) einfach durch ein dunkles Monitorbild "belohnt" werde und meinen Nachlässigkeit einfach direkt korrigieren kann, versucht die MX-1 ohne Rücksicht auf Verluste ihr Objektiv lautstark auszufahren, um dann nach einigem Gezerre wieder aufzugeben, so dass ein neuer Einschaltversuch nach Abnahme der Kappe erforderlich ist. Aber gut, das ist wohl nur Erziehungssache.

Mit Gegenlicht kommt die MX-1 Optik gut zurecht
Ohne Tadel sind die optischen Eigenschaften des MX-1 Zooms: lichtstark und angemessen scharf auch in den Randbereichen, vielleicht bei Offenblende ein wenig weich. Der Brennweiten-Bereich von 28-112 mm bezogen auf Kleinbild ist nicht überschwänglich, aber sehr zweckmäßig. Zusammen mit dem 1/1,7" CMOS Sensor gelingen technisch richtig gute Fotos, an der Bildqualität habe ich nichts auszusetzen. Selbst ein wenig Freistellung bei Offenblende ist möglich. Hervorzuheben sind auch die Möglichkeiten für Makro-Aufnahmen.

Makrotauglich: MX-1 mit 1 cm Naheinstellgrenze
Im Vergleich ist die Q7 bei der Bildqualität zumindest auf gleicher Höhe. Das sollte keine Überraschung sein, der Sensor ist wohl der gleiche. Mit dem 02 Standard Zoom erscheint mir die subjektive Schärfe gut, das MX-1 Zoom ist aber noch ca. eine Blende lichtstärker. Q7 und MX-1 erleiden beide einen Auflösungsverlust beim Abblenden, der bereits bei Blende 5,6 deutlich erkennbar ist. Dies ist wohl der Beugungsunschärfe am kleinen Sensor der beiden Kameras geschuldet.

Q7 und MX-1 im Vergleich unter der Lupe: beide machen einen sehr guten Eindruck
Vergleicht man JPEG und DNG-Aufnahmen (also die Rohdaten) der MX-1 unter der virtuellen Lupe, erkennt man, wie stark die Kamera-Software eingreift und das Bild knackig nachschärft. Wem das zuviel ist und wie ich dann gerne Raw-Aufnahmen in Lightroom bearbeitet, hat ein Problem: LR 5 kennt die MX-1 nicht, es gibt also kein Profil für die Objektivkorrektur.
Anders bei der Q7: Lightroom kennt zumindest die Objektivprofile meiner drei Linsen (01 Standard Prime, 02 Standard Zoom, 06 Telephoto Zoom) und kann somit die deutliche Verzeichnung dieser Objektive aus den Raws korrigieren.

Die JPEG Engine der MX-1 schärft deutlich nach

Die MX-1 ist für eine Kompaktkamera gut bedienbar mit vielen Bedienelementen. Das Menü-System ist jedem Pentax-Erfahrenen vertraut. Eine Besonderheit ist das spezielle Wahlrad für die Belichtungskorrektur oben auf.

Ganz anfreunden konnte ich mich damit nicht, da dort bei der Q das Multifunktionswahlrad (bspw. für Blende und/oder Zeit) liegt. Auch darf man nicht vergessen, die mechanische Einstellung der Korrektur wieder zurückzunehmen, wenn sie nicht mehr gebraucht wird. Andere Kameras können die Belichtungskorrektur "vergessen", wenn die Kamera ausgeschaltet wird (bei der Q7 ist dies individuell konfigurierbar).

Auffälliges Detail: Wahlrad für die Belichtungskorrektur
Die Q7 gefällt mir in der Bedienung insgesamt besser, sei es wegen des kompakteren Gehäuses oder dem für mich erwachsender wirkenden Menüs. Besonders angetan bin ich vom sogenannten Quick-Dial an der Gehäusefront. Dieses Bedienelement erlaubt das schnelle Umschalten von Effekt-Filtern und definiert für mich dieses spezielle Q-Erlebnis.

Ohne Rätsel: Multifunktionswahlrad oben auf
In Sachen Geschwindigkeit sind beide nahezu gleich auf. Der Kontrast-Autofokus funktioniert bei beiden Kameras recht flott. Nimmt man nur im JPEG Format auf, gibt es auch keine Verzögerungen beim Speichern der Fotos. Bei Raw oder Raw+ sieht dies anders aus, beide Apparate brauchen dann ein wenig Ruhezeit zum Speichern, bevor es weitergeht. Subjektiv hat mich hier die MX-1 öfters blockiert als die Q7.

Pluspunkte sammelt die MX-1 sicher über sein hochauflösendes, klappbares Display, das auch der Q7 gut gestanden hätte. Dies ist auch mein Hauptkritikpunkt an alle Kameras im  Q-System. Ich bin gar nicht so vermessen, auf einen elektronischen Sucher a la RX-100 III zu hoffen, aber einen Monitor zumindest in Qualität der MX-1 oder K-01 wäre schon sehr nützlich.

Das große, klappbare Display ist eine der großen MX-1 Stärken
Fazit: Die MX-1 bietet für Pentax-Fans viel zu einem günstigen Preis, nur wirklich kompakt ist sie nicht. Die Q7 bietet je nach Optik zumindest die gleiche Bildqualität und vor allem mehr Spaß beim Fotografieren. Dazu gibt es auch mehr fotografische Optionen - es ist eben eine Systemkamera.

Ob das den doppelten Preis rechtfertigt, ist eine andere Frage, die aber auch nur jeder für sich entscheiden kann. Die MX-1 ist auf jeden Fall ein Preistipp.

Vorteil der Q7: Systemkamera mit Wechselobjektiven (über Adapter auch für andere Bajonette)


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