Mittwoch, 26. November 2014

Plastik Fantastik - DA 35mm F2.4 (im Vergleich mit DA 50mm F1.8)

"Ein 35mm Objektiv will reisen" - so titelte im Pentaxians Forum ein Beitrag im Sommer, der meine Aufmerksamkeit weckte. Die Idee ist einfach erklärt: ein DA 35mm f/2.4 Objektiv reist von User zu User durch ganz Deutschland. Jeder der möchte und sich auf dem Blog lichtikone.de anmeldet, bekommt die Möglichkeit, das Glas für eine gewisse Zeit auszuprobieren, bevor es dann zum Nächsten weitergeht. Da ich immer neugierig bin, neue Objektive auszuprobieren, hab ich mich registriert. Letzte Woche war es dann soweit, das Objektiv kam gut verpackt bei mir an.

Subjektiv scharf, nicht nur das Auto ;) 
Bei Offenblende gelingen schöne Schärfeverläufe

Während der Originalkarton bereits deutliche Spuren der Reise zeigt, macht das Objektiv selbst noch einen sehr guten Eindruck. Die haptische Anmutung ist allerdings nicht jedermanns (bzw. meine) Sache. Das Gehäuse und der Objektiv-Anschluss bestehen komplett aus Plastik. Besonders das fehlende Metall-Bajonett wird gerne im Netz kritisiert, obwohl es funktional bei sorgsamen Umgang wahrscheinlich kaum Nachteile bringt. Dennoch ist auch mir die Konstruktion ein wenig suspekt, zumal ich einige Limited Objektive besitze, die haptisch das genaue Gegenteil vom DA 35 sind (was jetzt auch keine Überraschung darstellt). Wenn man aber mal das Plastik akzeptiert, gibt es wenig zu meckern. Die Konstruktion ist stabil, der manuelle Fokus lässt sich leicht bedienen, wenn auch nicht so schön gedämpft wie bei anderen (deutlich teureren) PENTAX Festbrennweiten.

Ich hatte schon früher das Vergnügen mit zwei 35-Millimeter-Optiken, nämlich den hochgeschätzten FA 35mm F2.0  und DA 35mm F2.8 Limited. Aktuell habe ich aber keine Normal-Brennweite mehr in der Kameratasche, dafür aber das kleine Geschwisterchen vom DA 35 F2.4, nämlich das DA 50mm F1.8. Obwohl ich es derzeit nicht mehr nutze (ein 43mm Limited scheint seit Wochen mit meiner Kamera fest verwachsen zu sein), habe ich es im Sommerurlaub kennen und schätzen gelernt. Wie das DA 35 ist es "Vollplaste", aber die Verarbeitung geht völlig in Ordnung.

Obwohl lichtstärker, ist das DA 50 kompakter als das 35er-Pendant

Ich hatte die Woche wenig Zeit zum fotografieren, aber die beiden Billig-DAs durften mich auf ein Familienwochenende in die Eifel bei Ulmen begleiten. Zumindest auf einen kurzen Spaziergang um das Ulmener Maar konnte ich mich von den optischen Qualitäten des DA 35 überzeugen.

Der subjektive Schärfeeindruck ist sehr gut, bereits bei Blende 2.4 erscheint es ausreichend kontrastreich und scharf. Die Leistungsfähigkeit zu den Rändern hin konnte ich mangels geeigneter Testmotive nicht endgültig beurteilen, aber mir ist auch nichts unangenehmes aufgefallen. Das DA 35 scheint in guter Gesellschaft mit dem DA 50 zu sein, welches mich von Anfang an in seinen optischen Eigenschaften überzeugt hat.

Heiße Feger auf dem Ulmener Marktplatz; das DA 35 fokussiert sicher
Ulmen am Ulmener Maar.
Das 35er an der Naheinstellgrenze (30cm)

Die offene Blende von 2.4 ermöglicht bereits eine geringe Schärfentiefe bei kurzen Motivdistanzen, auch wenn das DA 35 aufgrund seiner technischen Daten gegenüber dem DA 50 etwas benachteiligt ist. Das 50er ist aufgrund seiner leichten Tele-Brennweite (bezogen auf APS-C Format) und der etwas höheren Lichtstärke noch besser zur Freistellung von Motiven über die (Un-) Schärfe zu gebrauchen. Im direkten Vergleich gefällt mir auch das Bokeh des DA 50mm besser (eventuell aufgrund der ungeraden Anzahl von sieben Blendelamellen gegenüber den sechs des DA 35), aber Bokeh ist eh subjektiv.

Was fällt noch im direkten Vergleich auf? Obwohl lichtstärker, ist das DA 50mm ein wenig kleiner als das DA 35mm. Der Stellweg für die Scharfstellung ist beim 50er wesentlich länger ausgelegt, womit manuell zwar feinfühliger fokussiert werden kann, dafür aber das Akkuschrauber-Geräusch des Autofokus länger ertragen werden muss. Das DA 35mm klingt hier für meine Ohren angenehmer.

Steinerner Wasserspeier am Ulmener Maar
35mm taugen noch gut für Oberkörper Portraits. 

Beim DA 35mm war übrigens im Paket noch eine Metall-Gegenlichtblende, die nicht zur Original-Ausstattung gehört. Leider habe ich diese erst zum Schluss beim Wiedereinpacken entdeckt. Die Verwendung einer Gegenlichblende ist aus meiner Sicht allein schon zum Schutz vor Remplern immer zu empfehlen, insbesondere weil beim DA 35mm die vordere Linse recht ungeschützt liegt. Beim DA 50 dagegen ist das Glas ein wenig im Tubus versenkt, so dass ein versehentliches Anstoßen unwahrscheinlicher ist.

Schöne Stern-Effekte sind leider nicht gelungen
Herbststimmung inklusive Kreuz am Ulmener Maar
Nebel und Enten auf dem Ulmener Maar

Was bleibt nach einer Woche? Das DA 35mm F2.4 überzeugt durch sehr gute optische Leistung zu einem günstigen Preis von ca 140 EUR. Da kann man eigentlich nicht viel falsch machen, zumal der Wertverlust beim Wiederverkauf nur sehr gering sein dürfte. Insbesondere für PENTAX Fotografen mit schmalem Budget ist das 35er somit ein verführerischer Einstieg in die spannende Welt der Festbrennweiten - zumindest wenn man auf das haptische Erlebnis eines Limited Objektivs verzichten mag. Im direkten Vergleich finde ich das DA 50mm F1.8 allerdings deutlich attraktiver: im Preis günstiger bietet es noch mehr Möglichkeiten, mit der Schärfentiefe zu spielen und Motive freizustellen! Aus meiner Sicht ist das DA 50 ein klasse Portrait-Objektiv mit unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnis.

Zum Schluss noch einmal vielen Dank an Ivo von lichtikone.de für die tolle Aktion und Möglichkeit, das DA 35 zu testen.

Offenblende 2.4 beim DA 35 mm ...
... und 1.8 beim DA 50 mm. Der Unschärfenbereich ist deutlich ausgeprägter.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen