Donnerstag, 28. April 2016

Gedanken zur neuen PENTAX K-1

Jetzt ist es soweit, die ersten PENTAX K-1 Gehäuse werden seit gestern ausgeliefert. Und pünktlich gibt es auch endlich ein offizielles Werbevideo von Ricoh, welches ordentlich Appetit auf das neue Flaggschiff macht. Die K-1 erfüllt das Versprechen, welches PENTAX (unter anderem Eigentümer) bereits vor 16 Jahren mit dem MZ-D Prototypen gegeben hat: die erste digitale Spiegelreflex mit einem Sensor im Kleinbild-Format für das K-Bajonett. Damit können all die vielen Linsen aus analogen Zeiten, die bereits seit 1975 für diesen Anschluss hergestellt wurden, wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden.


Ich muss gestehen, dass ich in den letzten Wochen bewusst versucht habe, mich nicht von der allgemeinen Euphorie anstecken zu lassen. Das war nicht einfach, so sehr dominierte das Thema die PENTAX affinen Foren. Ein Pentaxian nach dem anderen verkündete seine Vorbestellung, so dass ich als (weiterhin geplanter) Anwender einer K-ungleich-1 Kamera schon schlucken musste. Ich meine das nicht despektierlich, sondern durchaus neidvoll.

Meine Zurückhaltung liegt gar nicht daran, dass ich nicht auch von der neuen Kamera fasziniert wäre. Neben dem 36 Megapixel großen Kleinbild-Sensor von Sony und den daraus abzuleitenden Vorteilen von Auflösung und High-ISO-Leistung gibt es noch zahlreiche andere verlockende Eigenschaften. Während die letzten beiden K-Modelle bereits einige Features wie Pixelshift, GPS Lokalisierung und Tracking (K-3 II), integriertes W-LAN und Klappdisplay (K-S2) in erster Generation für PENTAX eingeführt haben, sind mir aus den Produktbeschreibungen und Vorberichten der K-1 besonders die Verbesserungen in der Bedienbarkeit angenehm aufgefallen: die neuartige Monitor-Mechanik mit vier Gelenkstangen, die zusätzlichen Bedienelemente, der große optische Sucher mit Einblendung von Informationen direkt im Sucherbild, die indirekte LED Beleuchtung des Gehäuses für Fotografie bei Dunkelheit. Auch die 5-Achsen-Bildstabilisierung sowie das neue AF Modul hören sich richtig lecker an ... Halt, stop, ruhig durchatmen, Abstand wahren. OK, gesammelt, alles wieder im grünen Bereich, und weiter im Text ...


Die K-1 stellt für viele PENTAX Liebhaber einen ganz besonderen Reiz dar, wenn bereits Kleinbild-kompatible Objektive im eigenen Bestand vorhanden sind. Wenn ich in meinem Schrank schaue, sind da tatsächlich ein paar Schätzchen, die gerne an der neuen K-1 ausprobiert werden wollten, allen voran die FA Limiteds mit 43mm und 77mm Brennweite.

Neben den (D-) FA Objektiven soll ja auch die ein oder andere DA Linse den kompletten Bildkreis ausleuchten (bspw. die sehr günstigen Plastik Fantastiks DA35 und DA50). "Zur Not" bietet die K-1 einen Crop-Modus für die Nutzung aller DA Objektive, wobei aber auch die Kamera dazu überredet werden kann, die Objektive mit berechneter APS-C Ausleuchtung dennoch am KB-Vollformat betreiben zu können. Hier wird es sicher spannend, wie sich DA Perlen wie das DA 35mm Limited Macro oder das DA 70mm Limited schlagen werden.

Nach Durchschau habe ich mehr Kleinbild-kompatible Objektive als zuerst gedacht,
darunter ein FA 28-70mm F/4.0 und eine manuelles PENTAX-M 135mm F/3.5

Was hält mich also als bekennender PENTAX Freund ab, die Neue heute Abend noch zu bestellen? Zum einen ist es meine tiefe Zufriedenheit mit der K-5IIs und der absoluten Überzeugung, dass ich noch lange nicht das Potential meiner fotografischen Werkzeuge ausnutze. So die offizielle Verlautbarung. Aber die Versuchung ist natürlich vorhanden, besonders während ich gerade parallel zum Schreiben dieser Zeilen die ersten Hurra-meine-K-1-ist-da!-Beiträge im Pentaxians Forum lese.

Und so muss eine ganz einfache Erklärung herhalten: der schnöde Mammon. Der von Ricoh aufgerufene Einstiegspreis von 1999 EUR ist aus meiner Sicht mehr als fair für das Gebotene, aber es sind halt immer noch viele Euros, die ich nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln möchte - ganz zu schweigen, dass ich echte Schwierigkeiten hätte, meiner Frau glaubhaft zu erklären, warum mein (fotografisches) Glück nun von dieser neuen Kamera abhängt und ich dazu die Familienkasse erleichtern müsste. Und so gewinnt (erstmal) die Ratio die Oberhand, und alte Fotografenweisheiten müssen herhalten, dass immer noch der Fotograf das Bild macht und eine neue Kamera nicht automatisch zu besseren Bilder führt. Was diese Sprüche aber unterschlagen ist der Spaß an der neuen Technik und der Sehnsucht, dass 50mm (Sorry, natürlich 43mm) wieder "normal" sind.


Ich wünsche Ricoh/PENTAX mit der K-1 und dem neuen Engagement viel Glück und Erfolg. Die Entscheidung als relativ kleiner Hersteller nun mit der neuen Kamera das populäre Kleinbild-Format zu bedienen und zu pflegen (also auch mit neuen Objektiven zu beglücken) ist sicher mutig, zumal die Konkurrenz schon kräftig vorgelegt hat. Aber vielleicht ist der Schritt auch einfach nur notwendig. Zumindest sollte dies die bisherige Klientel bei der Stange halten - und vielleicht den ein oder anderen Abwanderer wieder zurück gewinnen oder sogar neue Kunden an die Marke heranführen. Ich bin mir sicher, dass sich die Strategen bei Ricoh/PENTAX diesen Schritt vor Jahren gut überlegt haben. Zuversichtlich stimmen mich die vielen positiven Stimmen im Netz, die man dieser Tage liest, und zwar nicht nur von eingefleischten Pentaxians. Und das, wo eigentlich noch aussagekräftige Tests und Praxiserfahrungen fehlen.

Mal schauen, wann ich dieses Jahr die Gelegenheit bekommen werde, die K-1 genauer unter die Lupe zu nehmen, wenn auch wahrscheinlich nicht meine eigene (siehe oben). Persönlich hoffe ich, dass Ricoh jetzt nicht die APS-C Fotografen aus den Augen verliert. Einige Innovationen der K-1 sollten auch Einzug in einen möglichen K-3 II Nachfolger finden. Zur Photokina 2016 möchte ich damit noch nicht rechnen, aber wer weiß. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob und wann wohl ein nächstes DA Objektiv kommen wird, welches dann nicht für Vollformat gerechnet wurde, dafür aber wieder schnuckelig kompakt ist. Zumindest ein DA Wide Zoom ist ja noch auf der Roadmap übrig geblieben.

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