Sonntag, 22. Mai 2016

Weichzeichnen per Doppelbelichtung

Florale Träumereien in Weichzeichner-Optik

Diesmal gibt es eine kleine fotografische Anregung. Wenn Bilder besonders verträumt und flauschig wirken sollen, dann schlägt die Stunde der Weichzeichner-Filter und Namen wie David Hamilton kommen einem in den Sinn. Natürlich kann dieser Effekt heute auch einfach über Software hergestellt werden, aber das ist irgendwie ... unsportlich? In diesem Beitrag möchte ich noch eine Alternative vorstellen, nämlich Weichzeichnen durch Mehrfachbelichtung. Als Opfer muss der heimische Garten herhalten, denn zarte "Blümchen" sind ein ideales Betätigungsfeld für solche Spielereien - sie können nicht weglaufen, und ich muss mich nicht weit bewegen.

Die Mehrfachbelichtung wird gemeinhin als eigene Funktion im Kamera-Menu aktiviert und erlaubt, dass die nächsten Auslösungen für eine vorgegebene Anzahl nicht als Einzelbilder gespeichert, sondern miteinander zu einem Bild verrechnet werden. Die einfachste Variante ist die Doppelbelichtung mit zwei Aufnahmen. Für den gewünschten Weichzeichner-Effekte wird dabei zunächst ein Foto mit korrekter Fokussierung auf das Hauptmotiv gemacht, gefolgt von einer zweiten völlig unscharfen Aufnahme (z.B mit Anschlag auf den Nahbereich).

Doppel-Belichtung für den Weichzeicher Effekt
Das gleiche Motiv als Einzelaufnahme

Zur Komposition ist die Verwendung eines Stativs von Vorteil, damit zwischen den Auslösungen nicht zu viel verschwenkt wird, muss aber nicht. Tatsächlich sind bis auf das Tulpen-Beispiel oben alle anderen Mehrfachbelichtungen in diesem Beitrag aus der freien Hand entstanden. Dabei hilf die Ansicht im Live View auf dem Monitor, um vor dem Auslösen der zweiten Aufnahme bereits eine zusammengerechnete Vorschau zu betrachten und eventuell den Bildausschnitt für die zweite Aufnahme zu korrigieren. Aber auch das ist kein Muss. Eine Belichtung mit mehr als zwei Bildern ist ebenso denkbar, allerdings wirkt das Bildergebnis dann zunehmen flauer und unruhiger.

Eine interessante Variante ist es, die zweite Aufnahme nicht beliebig unscharf zu gestalten, sondern die Schärfe auf einen anderen Bereich im Hintergrund zu legen, der bei der ersten Aufnahme noch in Unschärfe lag. Die Schärfe-/Unschärfebereiche der ersten und zweiten Aufnahme spielen sich dann gegenseitig aus. Natürlich muss man diese Spielereien mögen, und sie sind sicher nur für ausgewählte, natürliche Motive geeignet.

Fokusebene zweimal gezielt gesetzt (Rosenknospe, Blätter)

Eine Mehrfachbelichtung in dieser Technik benötigt zumeist noch ein wenig Schliff in der Nachbereitung am Rechner, um nicht zu flau zu wirken. In Lightroom hebe ich dazu meist ein wenig die Klarheit (also Mikrokontraste) an, vor allem aber drehe ich an den Tonwerte-Reglern für Schwarz und Weiß, um den allgemeinen Kontrast zu erhöhen. Auch ein selektives Bearbeiten des Hauptmotivs mit mehr Klarheit und Sättigung kann helfen.

Natürlich wäre es auch möglich, einzelne Fotos erst später am Rechner zu einem Bild zu verrechnen, dann sogar mit mehr Gestaltungsspielraum (beispielsweise Einstellung der Transparenz oder genauere Ausrichtung). Mir persönlich macht aber gerade das Gestalten in der Kamera mehr Spaß, zumal eine Bewertung des Ergebnis am Kamera-Monitor kaum möglich ist. So bleibt es eine echte Überraschung, die Mehrfachbelichtungen zum ersten Mal am großen Monitor nach dem Import zu sichten und zu bewerten.

Doppelbelichtung aus der freien Hand

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