Donnerstag, 14. Juli 2016

Erster Praxistest mit der PENTAX K-1

Moderne PENTAX K-1 mit Objektiven aus der Filmära

Die erste Woche mit der K-1 ist bereits um. Ich denke, ich hab genug erste Erfahrungen besonders mit der Bedienung gesammelt, die ich heute herunter schreiben möchte. Ursprünglich hatte ich angedacht, die Kamera ausgiebig über Wochen zu testen und dann einen großen Bericht zu schreiben, der alle für mich interessanten Aspekte anreißen sollte, ähnlich wie bei der K-S2 im letzten Jahr. Davon bin ich jetzt abgekommen, es gibt ja auch bereits viele umfassende Erfahrungsberichte im Netz. Hervorheben möchte ich die Blog Posts der Fotografen Raik Krotofil und Serdar Ugurlu, beide vorher keine ausgewiesenen PENTAX Fotografen, sondern von Canon und Nikon kommend. Ebenfalls sehr lesenswert ist (wie immer) die Artikelserie bei Imaging Resource. Stattdessen soll es in den nächsten Wochen immer mal wieder kleinere Artikel zu ausgesuchten Themen geben, z.B. zu Aufnahmen mit höheren ISO Werten oder Pixelshift Resolution.

Ein Argument vieler KB Anhänger: geringe Schärfentiefe (1/125s, f/5,6, ISO1600, 105mm) ...
... und noch geringere Schärfentiefe (1/500s, f/4, ISO400, 100mm Macro

Ich muss zugeben, dass ich in den ersten Tagen kaum das dickes Dauergrinsen ablegen konnte, sobald ich die Kamera in die Hand genommen habe. In erster Linie mache ich da das tolle Handling der Kamera verantwortlich. Ich habe das Gefühl, dass ich das bei jedem neuen Pentax Gehäuse schreibe, aber die K-1 legt nochmals eine Schippe drauf. Die Kamera passt perfekt in meine Rechte, und erstmals hat sogar mein kleiner Finger eine sinnvolle Ablagefläche gefunden. Bisher hatte ich immer konstatiert, dass die Nachfolger der K-5 Modelle mir ein wenig zu groß und schwer seien. Es scheint fast so, als dass sich nun meine Komfortzone bezüglich Größe und Gewicht zugunsten der K-1 anpasst. Vielleicht ist sie nicht die schönste Kamera am Markt, aber eine die deutlich macht: ich bin (d)ein Werkzeug, mit mir kannst Du (fast) alles machen.

Der Sucher ist erwartungsgemäß groß und hell, definitiv eine Steigerung gegenüber den (auch sehr guten) APS-C Suchern von K-5 und K-3 Modellen. Sehr hilfreich sind die zuschaltbaren Einblendungen für Hilfslinien, AF Feldern und 3D-Wasserwaage. Wenn das Licht schummrig wird, leidet allerdings die Lesbarkeit ein wenig. Ein korrektes Ausrichten anhand der Anzeige der Wasserwaage im Sucher wird im Dunkeln zur echten Herausforderung. Allerdings kann man sich über die AF Mode Taste behelfen, da ein Antippen und Halten alle Elemente im Sucher rot aufleuchten lassen. Rot leuchtet es ebenfalls auf, wenn ein AF Feld selektiert wird und die Fokussierung erfolgreich ist, was wirklich sehr praktisch ist.

Blick von Burg Blankenberg (1/100s, f/4, ISO100, 50mm)
Kunst auf der Burg - die hohen Kontraste sind kein Problem (1/250s, f/11, ISO200, 28mm)


Freistellung mit Standard Zoom (1/640s, f/4, ISO 200, 34mm)

Apropos Auswahl eine AF Feldes - was ich ein wenig bedauere, ist dass die verfügbaren AF Felder nur einen recht kleinen Bereich in der Mitte abdecken. Ich kann aber nicht mit Bestimmtheit sagen, ob das jetzt ungefähr die gleiche Fläche wie bei den APS-C Modellen ist. OK, der ein oder andere wird jetzt sagen, braucht man doch eh nicht, weil man immer auf die Mitte fokussieren und dann schwenken kann. Ich hab mich da aber in den letzten Jahren um erzogen, da bei nahen Distanzen eben doch der Schärfebereich beim Umschwenken verlassen werden kann (und beim Kleinbildformat noch eher), wenn ich mit lichtstarken Optiken und  Offenblende operiere.

Ein großartiger Aktivposten der Kamera ist der klappbare Monitor. Beweglichkeit und Drehfreudigkeit des großen Displays machen viel Freude und bringen mir echten Mehrwert. Die Aufhängung an den vier Gelenkstangen macht einen sehr stabilen und durchdachten Eindruck, ohne Hakeleien und mit ausreichenden Winkelstellungen (wobei seitlich könnte es ein wenig mehr sein). Wer anfangs noch gedacht hat, die Konstruktion wäre eventuell zu filigran, darf sich durchaus mal trauen, die Kamera am Monitor zu packen und zu schütteln (ich hab mich getraut, klappt wirklich). Dazu ist der Monitor sehr gut abzulesen, insbesondere durch die genial einfache-Funktion der Ansichtseinstellung draußen auf der unteren Steuerkreuz-Taste, die es erlaubt, Kontrast und Helligkeit des Monitors schnell an das Umgebungslicht in fünf Stufen anzupassen. So kann auch noch im direkten Sonnenlicht der Live View zur Bildkomposition verwendet werden.

Neues Funktions- und Einstellrad
verkleinern das Schulterdisplay
Auffällig und im Vorfeld viel diskutiert ist das neue Smart Funktionsrad für einige ausgesuchte Features wie Belichtungskorrektur, ISO, Crop-Format, Sensor-Stabilisierung (SR), WiFi usw. Dazu kommt ein drittes Einstellrad, um die eingestellte Funktion zu konfigurieren. Beide neuen Räder zusammen haben das Schulterdisplay deutlich schrumpfen lassen, welches sich nun auf ISO, Zeit, Blende und Batteriestatus beschränkt. Hier bin ich mir noch nicht sicher, ob ich die neuen Bedienelemente richtig wertschätzen kann.

Die meisten Funktionen des neuen Rads werden von mir eher selten umgeschaltet, und wenn, dann ging dies in der Vergangenheit auch komfortabel über das INFO Menu. Für ISO und +- Korrektur sehe ich eh keine Veranlassung, nicht weiterhin die dedizierten Tasten auf der Oberseite beim Auslöser zu nutzen. Hier braucht es aber sicher noch etwas Zeit für die abschließende Bewertung. Wo ich gerade das INFO Menu erwähne: richtig gut und nützlich finde ich die neue Möglichkeit zur individuellen Auswahl und freien Positionierung der Funktionen, die hier angeboten werden.

Nicht so geglückt finde ich die Neuanordnung der Wiedergabe-Taste von oben links auf die rechte Bedienhälfte. Regelmäßig aktiviere ich ungewollt den Live View statt die Bildanzeige. Sicher kann ich mich da umgewöhnen, aber den Vorteil sehe ich nicht (zumal Löschen weiterhin oben links liegt). Um fair zu sein: Ricoh hat die Taste auch bereits bei der K-S2 dahin gelegt, und auch die neue K-70 folgt dieser Position.
Klappdisplay mal anders: geniale Konstruktion mit vier Gelenkstanden
Leichte Änderungen des Tastenlayout, individuell konfigurierbares INFO Menu

Um mein bisschen Genörgel jetzt mal abzuschließen, kommen noch zwei Anmerkungen: ich vermisse die Möglichkeit, die Bildausschnittanpassung auf die Raw/Fx1 Taste zu legen (so ist das bei meiner K-5IIs konfiguriert). Und ich bin kein Freund der Taste AF-Punkt-Änderung/Kartenschlitz-Umschaltung (Zitat aus der Anleitung), also des Umschalters für die Funktionen des Vierwegeregelers (ebenfalls O-Ton der Anleitung). Mit der Kamera am Auge finde ich das lange Drücken der OK Taste zum Umschalten besser gelöst, gehöre aber da sicher mit meiner Meinung eher zur Minderheit der PENTAX User. So, jetzt aber Schluss mit den Kleinigkeiten. Und es sind wirklich nur Kleinigkeiten.

Abschattungen durch kleineren Bildkreis und Gegenlichtblende des DA 15mm

Kommen wir zum unmittelbaren Akt der eigentlichen Aufnahme, also Scharfstellen und Auslösen. Hier ist mir besonders der Live View angenehm aufgefallen. Der Kontrast-AF scheint noch flotter zu Werke zu gehen. Zu diesem positiven Eindruck trägt sicher auch das akustische Feedback bei: das kombinierte Geräusch von zurückklappenden Spiegel und Verschluss beim Auslösen klingt in meinen Ohren noch angenehmer und harmonischer als bei den Vorgänger Modellen, insbesondere beim Live View, wenn auch subjektiv ein wenig lauter (was nicht verwundern sollte, da aufgrund des größeren Sensors auch die Mechanik an Größe und Gewicht zugenommen haben muss).

Der Autofokus allgemein profitiert zusätzlich von einer neuen Geräuschdämpfung des Stangenantriebs, also des in der Kamera eingebauten AF Motors zur Fokussierung von Objektiven ohne eigenen Autofokus-Antrieb. Ich möchte jetzt nicht von Wohlklängen sprechen, aber die automatische Scharfstellung über den Kameramotor ist definitiv weniger quietschig als bisher. Dazu erscheint der Stangen-AF noch einmal eine Ecke schneller (wobei ich hauptsächlich die K-5 Modelle gewohnt bin. Die K-3 Modelle leisten hier ja auch bereits mehr, was aber auch deutlich hörbar ist).

Beeindruckend: das unterbelichtete Foto am PC gepusht am um +5 Blendenwerte
Langzeitbelichtung am Rhein (60s, f/16, ISO 100, 63mm)

Eine Änderung hat die Auslösetaste erfahren. Es gibt keinen definierten Druckpunkt mehr beim Übergang der Scharfstellung zum eigentlichen Auslösen. Dies führt dazu, dass ich aktuell mehr Fotos mache als gewollt, da ich bereits beim Scharfstellen oft zu weit drücke und dann aus Versehen auslöse. Ich vermute mal, die Ricoh Ingenieure haben dies geändert, um weniger Erschütterungen beim Auslösen zu riskieren. Das wird sich sicher mit der Zeit regeln, mir gefällt der Ansatz eigentlich sehr gut so, erinnert mich an meine erste manuelle PENTAX ohne Autofokus.

Zur Bildqualität möchte ich heute eigentlich gar nicht so viel schreiben, da ich mir hier über längere Zeit ein Bild machen will - und außerdem mal zum Abschluss dieses Beitrags kommen will.  Es liegt auf der Hand, dass die Möglichkeiten gegenüber der APS-C Modelle in Bezug auf Auflösung, Dynamik und Rauschverhalten erweitert sind. Dazu kommt ein noch engere Spiel mit der Schärfentiefe, was aber nicht automatisch für alle Anwendungsfälle ein Vorteil ist (z.B. für die Makrofotografie).

Rheinauhafen in der Dämmerung (1/25s, f/6,3, ISO 1600, 70mm)
.Kölner Wahrzeichen aus der Ferne (2,5s, f/8, ISO 200, 200mm)

Ich sag mal soviel: das Mehr an Auflösung und die Möglichkeit zum Pushen hat mich bereits nachdrücklich beeindruckt. Das neue 28-105mm Zoom kann die 36 Megapixel der Kamera sehr gut bedienen, vor allem im Weitwinkel, während im Telebereich mein Exemplar in Nuancen nachlässt. Ich bin schon erschlagen, welche Details ich an den Bildrändern in der 100-Prozent-Ansicht in Lightroom zu sehen bekomme. Da bin ich vom DA 18-135mm an der K-5IIs anderes gewohnt. OK, der Vergleich ist auch nicht ganz fair. Was ich aber auch schon in der Woche erfahren durfte: die hohe Auflösung erfordert ein noch exakteres Arbeiten. Bereits leichtes Verwackeln kann Unschärfen provozieren, auch mit der neuen 5-Achsen-Stabilisierung des Sensors.

Ein Fazit gibt es jetzt natürlich noch nicht. Aber soviel möchte ich sagen: die K-1 macht irre viel Spaß und ist in meinen Augen ein absolut würdiges Flaggschiff im Pentax DSLR Sortiment. Und ich bin auch sehr froh, dass sie scheinbar vom Markt so positiv aufgenommen wird, weil das der richtige Schub für Ricoh ist, das gesamte K-Mount System weiter auszubauen. Davon wird sicher dann auch die APS-C Linie profitieren. Hoffentlich wird Ricoh dabei die neue Konstruktion des schwenkbaren Monitors auch für neue Modelle übernehmen ... was die K-1 betrifft: sie ist in Summe ihrer Eigenschaften sicher die beste DSLR, die PENTAX bzw. Ricoh bisher gebaut hat. Man bezahlt halt auch dafür entsprechend - monitär wie auch bei Größe und Gewicht. Fortsetzung folgt.

Der Köln-Klassiker (25s, f/8, ISO 100, 48mm)

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