Sonntag, 6. November 2016

[Praxistest] Unterwegs in Vorarlberg mit der PENTAX K-70

K-70 im Außeneinsatz - die neue Mittelklasse aus dem Hause PENTAX

In den Herbstferien hatte ich das große Vergnügen, das neueste PENTAX DSLR Modell testen zu dürfen, welches mir von Ricoh in Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Die PENTAX K-70 durfte mich nach Vorarlberg in Österreich für eine Woche begleiten. Erste Fotos habe ich bereits im letzten Post Fisheye Bregenzerwald gezeigt. In diesem Beitrag fasse ich mal ein paar Gedanken zusammen, ohne jetzt einen umfassenden Test abliefern zu wollen, der allen Aspekten der Kamera gerecht werden könnte (z.B. hat mich nie die Video-Funktion einer PENTAX Kamera sonderlich interessiert). Dazu gibt es einige Fotos aus Vorarlberg, diese allerdings diesmal ohne Fisheye Optik.

Die K-70 gilt zugleich als Nachfolgerin der K-50 als auch der K-S2, wobei insbesondere letzere Kamera wohl Pate stand. Dabei hat Ricoh die (wenigen) Kritikpunkte an der K-S2 angenommen und aus meiner Sicht auch beseitigt, so dass eine Top-Mittelklasse DSLR herausgekommen ist, die die bekannten PENTAX Tugenden hochhält, viel Kamera fürs Geld zu bieten. Schon selbstverständlich sind da die bewegliche Sensoreinheit, die Wetterfestigkeit und das kompakte, robuste Gehäuse. Dazu kommen einige neue Features, die von der neuen K-1 und dem letztjährigen Top-Modell K-3 II stammen, allen voran die Pixel Shift Resolution.

Sonntäglicher Blumengruß aus dem Großwalsertal (DA 18-135mm)
Alpengasthaus Edelweiss am Aufstieg zur Kanisfluh (Samyang 14mm)

Der Body erinnert in seiner Form und mit der Anordnung der Bedienelemente sofort an die K-S2, auch wenn er leicht in der Größe zugenommen hat. Das Außenmaterial ist standesgemäß Plastik, leicht angeraut, hochwertig verarbeitet und ohne irgendwelches Knarzen. Persönlich ziehe ich aber immer ein Magnesium Gehäuse wie bei den K-5/K-3 Modellen vor, das Anfassgefühl ist mir einfach sehr wichtig fürs Wohlbefinden. Wie beim Vorgänger ist das Display an einem Scharnier an der linken Seite befestigt und klappt seitlich aus. Die Aufhängung hatte bei meinem Modell leider etwas Spiel, so dass der Monitor ein wenig klapprig in der Ruheposition an der Kamera hing. Ich glaube, dass ich hier aber auch sehr kritisch hinschaue, zumal mich die Vier-Stangen-Mechanik des Displays einer PENTAX K-1 im Sommer so begeistern konnte.

Mein Hauptkritikpunkt im Test der K-S2 war seinerzeit die Ausgestaltung der Tasten des Steuerkreuzes, die bündig mit dem Gehäuse abschließen und dann nach innen einfallen und somit schwer ertastbar sind. Dieses Manko hat Ricoh definitiv nachgebessert, auch wenn der erste Blick auf die Kamerarückseite dies zunächst nicht erwarten lässt. Besonders hilfreich finde ich die neue Option im Einstellungsmenu 4-Wege-Controller-Einstellung. Bei der Auswahl von Typ 2 wird das Steuerkreuz primär für die Wahl des AF-Punktes genutzt. Wenn stattdessen die direkte Anwahl für ISO, Weißabgleich oder Aufnahmeart über das Steuerkreuz benötigt wird, wird diese durch langes Drücken der OK Taste kurzfristig eingeschaltet, die Kamera fällt danach aber wieder in die AF-Auswahl zurück. Für mich ist das bisher die beste Lösung, die ich mir auch für meine K-5IIs wünsche. Noch empfänglicher wäre ich freilich für ein eigenes, zusätzliches Steuerkreuz oder Joystick zur AF-Punkt-Auswahl, wie Nikon dies beispielsweise bei der D500 oder Fuji bei der X-T2 anbietet.

Unter der Gondel am Diedamskopf  (Samyang 14mm)
Wintereinbruch Hochtannenbergpass (DA* 200mm)

Gegenüber der K-S2 bietet die K-70 einen neuen Sensor mit mehr Pixeln auf gleichem Raum (24 statt 20 Megapixel), die Pixel Shift Funktion für eine noch bessere Ausnutzung der Bildauflösung bei statischen Motiven, ein konfigurierbares INFO Menu (mein Highlight: Anzeige der aktuellen Brennweite auch bei Zooms) sowie die sehr nützliche Ansichtseinstellung draußen, die ich mir sofort auf die Raw/FX1 Taste gelegt habe. Dieses kleine, unscheinbare Feature (erstmals eingeführt in der K-1) erlaubt es, die Display-Helligkeit auf einfachste Weise an das Umgebungslicht anzupassen, so dass auch bei Sonnenschein der Monitor sehr gut ablesbar bleibt.

Einige Gags der K-S2 haben es nicht in den Nachfolger geschafft, so der Selfie-Modus, der die Wifi-Taste zum Auslöser umfunktionierte, sobald der Monitor um 180 Grad nach vorne gedreht wurde, sowie eine eigene A-HDR Stellung auf dem Programmwahlrad. Aus meiner Sicht kein Verlust. Dazu hat es aber ein neues Gimmick (ich mag es nicht anders nennen) in die K-70 geschafft: das Nachtsichtdisplay taucht die Anzeigen auf dem Monitor in tiefe Rottöne, was die Lesbarkeit im Dunkeln erhöhen soll. Nun gut, die Spielerei sei verziehen.

Gewohnte PENTAX Bedienelemente - A-HDR Stellung und Selfie-Auslöser der K-S2 sind wieder verschwunden
In Vorarlberg mein Objektiv für weite Landschaften und überragende Schärfe: das manuelle Samyang 14mm 

Stillstand gibt es beim Autofokus. Das AF-Modul SAFOX X entspricht dem der K-S2 - und der vier Jahren alten K-5IIs. Der Phasen-AF mit 11 Sensoren funktioniert zuverlässig auch bei wenig Licht (insbesondere der zentrale AF Sensor), für kontinuierliche Verfolgung schneller Ziele ist das System aber nicht sonderlich geeignet. Für Landschaftsaufnahmen in Vorarlberg oder Schnappschüsse von der Familie reicht es allemal.

Ricoh bewirbt die K-70 mit einem neuen Hybrid-Autofokussystem für den Live-View (also Phasen-AF direkt auf dem Sensor) für mehr Geschwindigkeit - in der Praxis konnte ich aber keine Vorteile für mich feststellen. Im Pentaxforums Review der K-70 hab ich den Hinweis gefunden, dass dies wohl auch nur für Video Aufnahmen und mit PENTAX Linsen mit speziellen AF Motoren (DC oder PLM im Namen, SDM wohl nicht) funktioniert - und da eher leidlich. Mit anderen Worten: die K-70 ist die erste Pentax mit Autofokus bei Videoaufnahmen, aber die aktuelle Implementierung dürfte kein sonderlicher Aktivposten sein. PENTAX macht halt Fotoapparate und keine Videokameras.

Paragliding konnte den K-70 Autofokus nicht überfordern (DA* 200mm)
Blattportrait (FA 43mm)

Wirklich herausragend empfinde ich die Bildqualität, die Ricoh aus dem 24 Megapixel Sensor von Sony herausholt. Ich hatte jetzt nicht die Zeit, gezielte ISO Belichtungsreihen wie noch im K-1 Test zu machen, aber letztendlich müssen ja die Fotos aus der Praxis überzeugen. Und das haben sie. Selbst ISO 6400 Raws zeigen noch ein gefälliges (aber natürlich auch deutlich vorhandenes) Rauschen und können somit gut nachbearbeitet werden - was für eine APS-C Kamera wirklich erstaunlich ist. Gefühlt produziert die K-70 die besten Bilder, die jemals aus einer APS-C Pentax  in meinen Händen gepurzelt sind.

Pixel Shift habe ich jetzt nicht gesondert ausprobiert, sehe die Funktion aber als echten Gewinn, wenn der Anwendungsfall stimmt. Ich verweise hier mal auf meinen Pixel Shift Bericht zur K-1, die neue K-70 bietet hier die gleiche Funktionalität inklusive Bewegungskorrektur und somit das Potential das Maximum an Auflösung aus den Rohdaten herauszuholen - es darf sich halt nur nichts bewegen.

Aufgereiht (FA 43mm)
Wanderung am Diedamskopf (DA* 200mm)

Apropos Raw. In meiner Woche mit der K-70 ist mir ein Fauxpas unterlaufen. Getreu dem Blog-Motto habe ich die Kamera auf PEF als Aufnahmeformat eingestellt, nur um dann nach einigen Tagen feststellen zu müssen, dass Lightroom die Kamera noch gar nicht unterstützt. Zum Glück ist es möglich, mit der mitgelieferten Digital Camera Utility Software nachträglich in das DNG Format zu konvertieren und so die Raws in Lightroom zu imporieren. Glück gehabt.

Einen hab ich noch: der Akku ist zu klein. Bei mir hat er pro Tag in den Bergen für knapp über 300 Fotos gereicht. Dabei habe ich weder Videos aufgenommen noch den Blitz eingesetzt, nur ab und an mal den Live View genutzt und die Aufnahmen am Monitor kontrolliert. Also eigentlich nichts Besonderes. Ein oder zwei Ersatzakkus wären damit für mich Pflicht, um unbesorgt über den Tag zu kommen.

Fazit? Aus meiner Sicht ist die K-70 eine wirklich gute, absolut konkurrenzfähige Mittelklasse DSLR, die mit Funktionalität, Robustheit und 1-A Bildergebnis überzeugt, die sich aber auch mal wieder über den Autofokus angreifbar macht - aber das hat Tradition und stört uns Pentaxians auch nicht sonderlich, da wir in der Regel keine Action-Fotografen sind. Die anderen Herstellen sollen ja auch ihre Nische behalten ;-)

Abstieg vom Diedamskopf (Samyang 14mm)
Schnee- statt Feenstaub (FA 43mm)

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