Freitag, 3. Januar 2014

Nachfotografie im Landschaftspark Duisburg

Nach dem Einstieg in die Langzeitbelichtung vor einigen Wochen habe ich mich nun an das Thema Nachtfotografie gewagt. Um ehrlich zu sein, war ich schon vor Weihnachten in Köln abends unterwegs, aber diesmal hatte ich "zwischen den Jahren" ein wenig mehr Zeit und fotografische Muße. So verabredete ich mich mit meinem Bruder am Tag vor Silvester.
Frank wollte auch sein neues Weihnachtspräsent zum ersten Mal ausführen. Und nein, er hat keine Pentax, sondern eine Sony Alpha. Ich bin da tolerant ;-)

Begehung bei Tagestlicht
Unser Ziel war der Landschaftspark Duisburg (kurz LaPaDu),  in dem ein stillgelegtes Hüttenwerk mit eindrucksvollen Lichtspielen bei Dunkelheit besucht werden kann. Der Park ist rund um die Uhr geöffnet und kostet keinen Eintritt. In den Industrieanlagen ist ein Klettergarten, ein Hochseilparcours und ein Sporttauchzentrum integriert. Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes in der Hochofen 5, der als Aussichtsturm dient und einen schönen, sehr "luftigen" Blick über die Parklandschaft bietet.

Gleiswaage 51 und Kraftzentrale
Ich bin gegen Nachmittag angereist, um im Hellen noch das Terrain ein wenig zu begehen und um mir ein paar Standpunkte für später zu merken. Das war eigentlich vergebens, denn mit zunehmender Dunkelheit und Einsetzen der künstlichen Beleuchtung änderte sich das Bild komplett. Es ist wirklich beeindruckend, wie "anders" die Industrieanlagen im farbigen Licht wirken. Einfach grandios.

Gasometer mit Fisheye ohne Fisheye-Effekt
Gebläsehallen - mit 21er Lichtsternen

Die Voraussetzungen waren ziemlich gut. Das Wetter spielte mit. Es gab relativ wenig Wind und es regnete (zunächst) nicht, was in diesen Tagen schon etwas Besonderes darstellt. Außerdem war der Park nach meiner Einschätzung wenig besucht. Nach Einbruch der Dunkelheit sind uns vielleicht ca. 10-20 andere Fotografen mit Stativ begegnet, mehr nicht. Ich vermute, das ist für das LaPaDu nicht viel. Aber man ist halt definitiv nicht allein vor Ort. Und ich hatte auch nicht die Hoffnung, vor Ort das eine (!) Foto zu machen, das die Welt noch nicht gesehen hat. Vielmehr ging es uns darum, an einer interessanten Location Nachtfotografie zu "lernen".


Treppenaufgang am Gasometer
Lila Tank zur blauen Stunde
Mein Vorgehen war eigentlich stets das gleiche: die Kamera auf dem Stativ ausgerichtet, automatisches oder manuelles Fokussieren über Live-View, Blende 8, Belichtungsdauer 30 Sekunden bei ISO 100. Das hat meistens gepasst. Wenn ich nach der Bildkontrolle feststellen musste, dass die Belichtung nicht reichlich genug war, habe ich eher an Blende und ISO gespielt. Auf Bulb-Modus und Stopp-Uhr hatte ich keine Lust (bis auf eine Ausnahme). Ebenso habe ich auch keine Belichtungsreihen gemacht, um die Fotos später in einem HDR Image zu vereinen. Das möchte ich erst später probieren, und für den Abend reichte mit der Dynamikumfang der K-5 IIs.

Auf der Piazza Metallica (1)
Auf der Piazza Metallica (2)
Als besondere Herausforderung hatte ich das Pentax Fisheye DA 10-17 mit. Aber bis auf die folgende Aufnahme ist mir damit eigentlich nichts gelungen, und auch dieses Foto ist stark in Lightroom "entfischt" worden (allerdings ist der grüne Turm immer noch ein wenig gebogen). Das Fisheye ist eben schwer bei Architektur einzusetzen. Dafür sind die Lichter-Sterne vom Fisheye hübsch, oder?

Auf der Piazza Metallica (3)
Zu späten Stunde ohne Restlich am Himmel wurde das Fokussieren immer schwieriger. Der Kontrast-AF fand kein Ziel mehr und auch die manuelle Beurteilung gestaltete sich sehr schwierig. Zum ersten Mal wünschte ich mir auch ein Klapp-Display an einer PENTAX Kamera. Bei einigen Einstellungen musste ich mich schon ganz schön verrenken. Beholfen habe ich mich dann tatsächlich über den Phasen-AF der Kamera. Es ist wirklich unglaublich, wie wenig Licht die K5-IIs benötigt, um noch zielsicher fokussieren zu können. Aber dafür ist sie ja auch bekannt und war auch der Grund, warum ich sie mir zum Jahresende geleistet habe.

Blick auf den Hochofen 5
Für ein paar Licht-Spielereien hatte ich ein externe Blitzgerät mit, das wir dann dazu genutzt haben, um uns in einige Belichtungen "hineinzublitzen".

Blitz-Spielereien am Bunkersteg (1)
Blitz-Spielereien am Bunkersteg (2)
Unter mehrfachen Einsatz des Blitzgerätes entstand auch meine einzige Aufnahme im Bulb-Modus. Bei Tageslicht waren mir die großen Antriebsräder am Kühlwerk als lohnendes Ziel aufgefallen. In der Dunkelheit mussten wir leider feststellen, dass sie gar nicht beleuchtet waren. Also lief ich während der Bulb-Langzeitbelichtung von Rad zu Rad, um sie einzeln anzublitzen.

Blitz-Spielereien am Kühlwerk
Zuletzt bestiegen wir den Hochofen 5. Dabei setzte nun endlich auch Regen ein und der Wind nahm zu. Übrigens ist hier die Mitnahme einer Taschenlampe empfohlen, denn in einigen Passagen beim Aufstieg im Hochofen ist es wirklich sehr dunkel.
An Aufnahmen von Stativ aus war nicht mehr zu denken, und so habe ich aus Freihand mit ISO 1600 bis 6400 herumexperimentiert, aber mit mäßigen Erfolg (Brennweite 135 mm bei 1/10s und starken Wind bekomme ich natürlich auch mit der Pentax Shake-Reduction nicht mehr gehalten). Aber wir konnten zumindest überhaupt noch fotografieren, "wetterfest" ist halt schon schön ...

Eingang zum Hochofen 5
Freihand im Hochofen (1)
Mit meiner "Bildausbeute" war ich aber insgesamt nach der Heimkehr und Sichtung mit Lightroom am PC sehr zufrieden. Es gab überraschend wenige unscharfe Fotos trotz der langen Belichtungszeiten. Ich hatte allerdings auch die Mittelsäule des Stativs fast immer eingezogen und auf "Windpausen" geachtet, was sich wohl ausgezahlt hat.

Freihand im Hochofen (2)
Freihand im Hochofen (3)
Sicher gibt es eindrucksvollere und origineller Nachtaufnahmen vom Landschaftspark Duisburg. Aber darum ging es ja nicht. Es war ein toller Abend, der viel Spaß gemacht. Und wenn dann noch ein paar Fotos herauskommen, die gefallen können, ist das dann eben das "i-Tüpfelchen".




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