Sonntag, 30. September 2018

Flucht nach vorne (Gedanken zur und Eindrücke von der Photokina 2018)

koelnmesse photokina 2018 - im Zeichen der neuen DSLM Systeme von Canon, Nikon und Panasonic

Bald heißt es Alle Jahre wieder, denn ab 2019 eröffnet die größte Foto-Fachmesse der Welt ihre Türen im neuen jährlichen Turnus im Frühling. Dieses Jahr also dann mein letzter Besuch der Photokina im Herbst. Die letzten Jahre hatte ich bereits regelmäßig der Photokina einen Besuch abgestattet (zuletzt 2014 und 2016) und hier im Blog meine Eindrücke geschildert.

Zur Dokumentation hatte ich diesmal meine kleine Ricoh GR dabei, mit der alle Fotos (OOC, mit Cross Process Bildeffekt) für diesen Beitrag entstanden sind. Die GR Reihe sollte auch auf der Messe eine kleine Rolle spielen, dazu am Ende mehr ...

Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zur Messe - Rheinufer
Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zur Messe - Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke I
Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zur Messe - Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke II

Ich bin dieses Jahr mit wenig Vorhaben und noch weniger Erwartung zur Messe angereist. Tatsächlich wollte ich ganz unspektakulär ein paar Edel-Kompaktkameras mit Sensoren ab der 1 Zoll Klasse ausprobieren. Nach dem Siegeszug von iPhone und Co ist das Segment der Kameras mit kleine(re)n Sensoren sehr überschaubar geworden. Bis auf ein paar Traveller- und Super-Zooms gibt es nicht mehr viel Auswahl mit kompakten Maßen. Wir haben zu Hause seit Jahren eine Sony RX100 (die Erstausgabe) als Familienkamera im Einsatz, die zeigt aber Ausfallerscheinungen und verlangt langsam ein Upgrade.  Darüber hinaus wollte ich einfach ein wenig die Atmosphäre mitbekommen, ein paar Vorträge besuchen und über die Ausstellungsflächen der großen Kamerahersteller schlendern.

Dabei kündigte sich im Vorfeld Bewegung bei den etablierten Herstellern klassischer DSLRs an. Fünf Jahre nach Einführung der Sony Alpha 7 Reihe als erste DSLMs mit großem KB-Sensor sind nun mit Canon und Nikon endlich weitere Hersteller auf den spiegellosen Vollformat-Zug aufgesprungen. Kurz vor Messebeginn ist noch Panasonic mit dem neuen Lumix S System dazu gestoßen. Besonders spannend: Panasonic kooperiert zusammen mit Sigma und Leica und setzt auf den bereits eingeführten L(eica)-Mount als gemeinsamen Kamera-Objektiv-Anschluss.

Willkommene Pausenzeit bei Nikon 
Panasonic Lumix Botschafter Jacob James

Mein Blog, meine Gedanken zum Thema. Also los ... Im Grunde sehe ich für CaNikon auch keine Alternative als ebenfalls auf spiegellose Systeme mit großen Sensoren zu setzen. Sony hat es vorgemacht, und die anderen müssen fast zwangsläufig folgen. Eben weil sie groß sind und daher in der (Existenz-) Pflicht, ihre Marktstellung  zu verteidigen. Für kleinere Bildformate unterhalb vom Vollformat gibt es mit Fuji, Panasonic und Olympus schon starke Lösungen ohne mechanische Spiegeltechnik.  Dazu würde es mich jetzt nicht überraschen, wenn neben Panasonic auch noch Olympus im nächsten Jahr ein neues System oberhalb von MFT einführen wird. Fuji hat mit der GFX Serie das Vollformat gleich übersprungen, wobei der scheinbare Sprung im Bildergebnis mich hier nicht überzeugt.

Das Foto trügt, so rückläufig sind die Besucherzahlen doch nicht
Beliebtes Anlaufziel: photokina Fotobulli mit Fotos sofort zum Mitnehmen

Ich habe den Eindruck, dass alle Beteiligten am Markt die Flucht nach Oben antreten. Klasse mit höherer Marge statt Masse. Jeder bekommt es mit, das Gros der Leute fotografiert inzwischen mit dem Smartphone. Vorbei sind die Zeiten als noch eine Kamera für die persönlichen Erinnerungsfotos angeschafft werden musste. Das Smartphone genügt hier den meisten Menschen voll und ganz, zumal Fotos heute eher in sozialen Medien auf Instagram, Facebook, WhatApp gezeigt werden. Der Schritt der klassischen Kamerahersteller in hochpreisige Lösungen ergibt sich zwangsläufig.

Mit größeren Sensoren und  hochwertigen Optiken lassen sich (noch per Hardware) Bildergebnisse produzieren, die sich von denen der Smartphones unterscheiden und die verbleibende Schar an Fotografen begeistern. Was aber klar ist: der Kuchen ist kleiner geworden, früher waren Kameras für Jedermann, heute nur noch für Hobbyisten und Profis.
Dass jetzt alle Hersteller den Schritt weg von der DSLR zur DSLM gehen bzw. gegangen sind, kommt auch nicht unerwartet, denn zu anachronistisch erscheint da der mechanische Spiegelschlag, das System mit getrennten Phasen-AF ausgereizt. Und die Vorteile eines elektronischen Suchers sind auch nicht von der Hand zu weisen.

Bewegt und bunt: bei den großen Herstellern (wie hier Panasonic) kann am lebenden Objekt
 die Fototechnik ausprobiert werden. 
Motorradsport meets Kompaktkamera bei Canon.

Und was macht PENTAX bzw Ricoh auf der Messe? Dass meine Marke seit dem digitalen Foto-Zeitalter kleine Brötchen backt, ist hinlänglich bekannt. Den Unkenrufen zum Trotz ist PENTAX als Marke immer noch nicht vom Markt verschwunden. Ich meine, dass Ricoh Imaging gut daran tut, nicht hier gegen die anderen großen Hersteller im direkten Vergleich auf gleichem Feld konkurrieren zu wollen. Das kann auch gar nicht klappen, dazu dürfte das von Ricoh beigesteuerte Budget nicht genügen. Allein die Entwicklung der ersten digitalen PENTAX Kamera mit 36mm Kleinbild Sensor war für die kleine Marke ein Kraftakt, der viele Jahre gedauert hat und im Vergleich zu den Mitbewerbern sehr spät kam. Stattdessen bedient Ricoh weiter die angestammte Nischen-Kundschaft, die hoffentlich weiter mit der überschaubaren Entwicklung einverstanden ist und die Treue hält.

Ein Beispiel? Während Panasonic nun für sein neues Lumix S System für das erste Jahr bereits zehn neue Linsen ankündigt (und ich habe keinen Zweifel daran, dass sie das schaffen), brachte PENTAX in den letzten 12 Monaten genau ein neues Objektiv an den Markt. Da erscheint es mir extrem unwahrscheinlich, dass ein komplett neues spiegelloses System mit eigenen Bajonett (und somit Objektiven) in Konkurrenz zu Sony, Canon, Nikon, Panasonic oder sonst wen irgendwann an den Start gebracht werden könnte. Wenn überhaupt kann nur Kooperation die Antwort sein, warum also nicht bspw. auf den L-Mount Zug mit Panasonic/Sigma/Leica aufspringen? Träumen darf man ja wohl ...

Martin Krolop im Gespräch mit Messebesuchern bei Panasonic
Nichts neues von Olympus. Der MFT Pionier war getrennt von den anderen Ausstellern "nur" auf dem
Olympus Playground vertreten, dieser im Vergleich von vor zwei Jahren deutlich weniger abwechslungsreich

Zurück auf der Messe. Im Vergleich zum letzten Auftritt bei der Photokina ist der Ricoh/PENTAX Stand erneut geschrumpft. Für den gemeinen Besucher gab es nur eine kurze PENTAX Theke in U-Form mit einigen Kameras zum Anfassen,  flankiert von eine Theta Säule sowie einer Virtrine mit Ricoh GR Modellen, die dieses Jahr den Aufmacher bei Ricoh gegeben haben.

Der Stand von Ricoh Imaging bzw PENTAX war dieses Jahr besonders überschaubar
Aufhänger dieses Jahr war die Ankündigung der Ricoh GR III

Bereits im Vorfeld erwartet und dann auch bestätigt war die Ankündigung der Entwicklung der Ricoh GR III. In einer zusätzlichen Glasvitrine wurde ein kleiner Mock-up ausgestellt. Auf der japanischen Ricoh Imaging Seite werden bereits technische Details benannt, insbesondere ein Touch Display wird bestätigt. Dies wäre für Ricoh/PENTAX ein willkommenes Novum. Dazu gibt es einen 24 Megapixel APS-C Sensor mit Stabilisierung und Staubentfernung, einen Hybrid-Autofokus und eine Neuauflage der 18,3mm Festbrennweite.  Ich habe ein gutes Gefühl für die GR III und ihrer behutsamen Weiterenwicklung. Allein ein klappbares Display stände noch auf meinem Wunschzettel. Dass eine Kompaktkamera damit nicht viel breiter ausfallen muss, zeigt die Evolution der Sony RX100.

Warum komme ich jetzt wieder auf Sony, und besonders auf die RX100? Nun ja, weil ich zum Ende dieses Artikels kommen möchte und anfangs geschrieben hatte, dass ich mir einige Kompaktkameras auf der Messe anschauen wollte. Als Kandidaten auserkoren hatte ich die Canon PowerShot G7 X Mark II und die Lumix LX100 II. Überzeugt hat mich dann doch die RX100 V, die einzige mir bekannte Kompakte mit 1" Sensor und Klappdisplay und Sucher am Markt. Aber darüber schreibe ich dann ein anderes Mal.

GR III im Fokus
Ich hättte den Mock-up zumindest mal abgestaubt ...

Donnerstag, 20. September 2018

[Objektiv gesehen] PENTAX-D FA* 50mm F1.4 - Nicht kleckern, klotzen!

Imposantes Auftreten - die erste Festbrennweite für das digitale PENTAX Vollformat

Im Zuge der digitalen Auferstehung des Kleinbildformats im PENTAX System durch die K-1 im Frühjahr 2016 hat Ricoh drei hochwertige, lichtstarke Zooms veröffentlicht. Diese Holy Trinitiy deckte zunächst den dringlichsten Bedarf flexibler Brennweiten bei hoher Bildqualität für den ambitionierten (und zahlungskräftigen) PENTAX Fotografen. Dazu gesellte sich noch das DFA 28-105mm als preiswertes Allrounder Zoom.

Moderne Festbrennweiten waren aber bisher Fehlanzeige. Das letzte Prime, was PENTAX offiziell für das 35mm Kleinbildformat herausbrachte, dürfte das DFA 100mm F2.8 Macro WR von 2009 gewesen sein, was aber auch im Grunde "nur" ein Update einer bestehenden Linse war. Die beliebten FA Limiteds und letzen FA* Objektive stammen sogar noch aus dem Ende der neunziger Jahre - und damit aus der analogen Filmära.

Das neue DFA* 50mm umringt vom DFA 28-105mm und DA* 200mm

Nun hat Ricoh endlich die erste völlig neu entwickelte Festbrennweite in der Star-Serie herausgebracht, die den Ansprüchen hochauflösender Sensoren Rechnung tragen soll. Ricoh Imaging Deutschland hat mir freundlicherweise ein Exemplar des DFA* 50mm für einen Test zur Verfügung gestellt.

Sonst nehme ich mir eigentlich einige Wochen (oder Monate), bevor ich mich traue, hier im Blog einen Praxistest zu posten. Leider fehlt mit aktuell (wie eigentlich immer) die Zeit (und vor allem der Urlaub), daher schreibe ich heute nur ein paar kurze Eindrücke, die ich im Laufe einer Woche mit der Optik gesammelt habe, bevor sie mich wieder Richtung Pentaxians Forum verlassen hat. Auch kann ich leider keine besonders aufregenden Bilder vorweisen, die dieser Linse gerecht werden. Denn soviel will ich jetzt schon schreiben: die Bildqualität hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt und (fast) Größe und Gewicht vergessen lassen.

Fast ein Kilogramm Gewicht, 10cm Länge ohne Sonnenblende, 8cm Durchmesser, 72mm Filter, 1200 EUR. Das sind schon imposante Werte für eine 50mm Normal-Brennweite. Die Lichstärke ist 1,4 standesgemäß hoch, aber nicht herausragend. Meines Wissens hat kein anderer Hersteller ein "Standard" mit solchen gewichtigen Werten im Programm, am ehesten kommt noch das Sigma 50mm 1.4 Art heran. Also alles nach dem Motto: nicht kleckern, klotzen!

Sichtfenster für die Entfernung und AF-MF-Schalter - gewohnte Bedienung wie bei anderen Sternchen Linsen
Der Blick von oben zeigt, wie wuchtig die Normal-Brennweite ist, selbst ohne Geli

Auf der japanischen Ricoh Homepage gibt es einen lesenswerten Artikel zur Entwicklungsgeschichte zum Objektiv, welches den Auftakt zu weiteren Sternchen Festbrennweiten geben soll. Der Artikel erklärt, warum das Objektiv solch ein Brocken werden musste. Letztendlich war es das Ziel der Ingenieure die für PENTAX bestmögliche Leistung aus der Optik herauszuholen, sowohl in Bezug auf die Bildqualität als auch Gehäuse, quasi ein neuer Benchmark für Standard Objektive.

Dabei ging es darum, alle Parameter der Abbildungsleistung zu optimieren, also hohe Auflösung bis an die Ränder auch bei offener Blende, möglichst wenige Verzerrungen oder chromatische Aberration, gefälliges weiches Bokeh mit kreisrunden  Unschärfekreisen. Ich wiederhole jetzt nicht den Inhalt des Artikels, sondern fasse es mal so zusammenfassen: wer optimale Bildqualität in allen Parametern anstrebt, braucht viele, große Linsen. Und diese brauchen Platz in einem stabilen, verwindungsfesten Gehäuse sowie einen leistungsstarken AF Motor, um die Linsengruppe für die Fokussierung schnell verschieben zu können.

Das Gehäuse fällt entsprechend wuchtig aus und macht einen sehr robusten Eindruck. Es erinnert mich an mein DA* 200mm Tele, welches (inoffiziell) ebenfalls das Vollformat bedient, aber noch zwei Zentimeter länger, dagegen aber auch gut 100g leichter ist. Wie dieses hat das DFA* 50mm ein kleines Fenster in der Gegenlichtblende, über welches bequem ein drehbarer (Pol-) Filter verstellt werden kann, ohne die Blende abnehmen zu müssen.

1/25s | f/2,0 | ISO 200 | 50mm | K-1
1/2500s | f/1,4 | ISO 200 | 50mm | K-1
1/1600s | f/1,8 | ISO 200 | 50mm | K-1
1/13200s | f/2,0 | ISO 200 | 50mm | K-1

Ich kann die Bewertung des Objektivs in einem Satz zusammenfassen: Mission erfüllt. Das Objektiv bildet hervorragend ab, und das bereits bei offener Blende 1,4. Ich lasse mich sogar hinreißen zu behaupten, dass es offen so gut abbildet wie die meisten meiner anderen Linsen bei ihrer förderlichen Blende. Dabei hilft ungemein, dass der Autofokus bei Einsatz des zentralen AF-Felds der K-1 sehr treffsicher agiert, egal ob an der 40cm Nahgrenze oder im Unendlichen. Das funktioniert bei anderen lichtstarken Objektiven wie meinen FA Limiteds nicht immer so zuverlässig. Überhaupt fand ich überraschend, wie scharf selbst bei Fokussierung in der Ferne gezeichnet wird, so dass das Objektiv auch bei Available-Light Aufnahmen von Stadt- oder Landschaftspanoramen prima abliefern wird.

Ich möchte es noch einmal drastischer formulieren. Das Objektiv schreit gerade dazu, mit offener Blende genutzt zu werden. Was bei vielen anderen PENTAX Optiken immer ein Kompromiss ist, kann hier ohne nennenswerte Einschränkung genutzt werden.  Zusammen mit der unaufgeregten Art, Unschärfe zu zeichnen, avanciert das Objektiv in meinen Augen zu einem echten Bokeh Meister (auch wenn dieser Titel arg inflationär vergeben wird). Die uneingeschränkte Nutzung der Offenblende muss auch sein, will ich Größe und Gewicht akzeptieren, denn bei Blende 2.8 oder mehr können auch andere, kompaktere Primes scharf zeichnen. Dafür bräuchte es nicht ein DFA* 50mm.

1/2500s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1
1/800s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1
1/3200s | f/1,4 | ISO 200 | 50mm | K-1
1/8000s | f/1,4 | ISO 400 | 50mm | K-1

Das Objektiv übersteht bei mir auch den Pixel-Peeping Test unter der virtuellen Lupe in Lightroom ohne Blessuren.  Seit LR Version 7.4 gibt es ein Objektivprofil für die Korrektur. Aber man muss schon zweimal hinschauen, um bis auf das Aufhellen der Ränder überhaupt eine Veränderung durch die Profilkorrektur wahrzunehmen.

Wer Haare in der Linsensuppe finden will, findet sie vielleicht bei kontrastreichen Übergängen in Form von Farbsäumen, die auch diese Linse bei Offenblende nicht völlig eliminieren kann. Aber das ist Jammern auf hohen Niveau, ich habe diesen Abbildungsfehler in meinen Testfotos wirklich suchen müssen (und dazu in Lightroom die Option "Chromatische Aberration entfernen" deaktivieren müssen).

Wunderschöne, weiche "Bubbles" ohne ausgeprägten Lichtkranz prägen das Bokeh (100% Crop)
Freihand "Makro" bei Offenblende (100% Crop)
Wer unbedingt sucht, kann auch hier leichte Farbsäume (CAs) am Bildrand finden (100% Crop)
Bei Offenblende minimal sichtbarer Schärfeabfall zu den Rändern - 1/500s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1

Zum Abschluss meines Kurztests habe ich das neue Sternchen gegen mein kompaktes FA 43mm Limited antreten lassen, welches zu meinen absoluten Lieblingslinsen zählt, egal ob an APS-C oder Vollformat. Es ist mit F1.9 ebenfalls recht lichtstark, aber ansonsten von den Eckdaten eine ganz andere Hausnummer. Und ich muss leider nach Sicht der Fotos im direkten Vergleich zugeben, dass bei großen Blendenöffnungen das DFA* 50 das Limited doch ziemlich alt aussehen lässt, im wahrsten Sinne des Wortes. Spätestens jetzt war mir klar, dass das DFA* 50mm schnell wieder weg muss ;-)

Bei Offenblende ist das neue Objektiv dem Limited klar überlegen:
 links DA* 50 bei F1,4, rechts FA43 bei F1,9 (100% Crop)
Leicht abgeblendet ist der neue Stern weiter klar im Vorteil:
 links DA* 50 bei F2,8 rechts FA43 bei F4 (100% Crop)

Was wird an Eindrücken bei mir hängen bleiben? Groß und schwer sollte klar geworden sein. Auch die Begeisterung für die Bildqualität. Egal ob Auflösungsvermögen nah und fern, Kontrast, Farben, Bokeh Anmutung. Alles überzeugt. Insofern haben die Ricoh Ingenieure ihr Versprechen erfüllt: We did our very best, so it provides the highest optical performance to be found in a single-focus standard lens. (Message aus Developer Story)


Das schnucklige FA 43 aus analogen Zeiten
ist ein Zwerg im Vergleich zum Wuchtigen DFA* 50
Dennoch hoffe ich weiterhin, dass Ricoh sich irgendwann wieder auf die alte Tugend "Kompaktheit" besinnt, was in der Vergangenheit immer eine große Stärke von PENTAX Kameras und Objektiven war. Ein digitales Update (oder Neuentwicklung) der FA Limited Linsen wäre so ein Wunsch, den ich hätte. Das wäre auch eine Nische im KB Segment, denn im Vergleich veröffentlichen auch die anderen Hersteller hauptsächlich große und schwere Linsen optimiert für den Leistungshunger hochauflösenderen Sensoren. Aber was weiß ich schon, was der Markt will. Ich zumindest bin von der Qualität der Linse fasziniert, aber dennoch passt sie nicht in mein Profil. Ich mag's weiter klein und schnucklig, und bin bereit, dafür auf maximale Abbildungsleistung und Lichtstärke zu verzichten.

Wenn ich großes Glück habe, darf ich das DFA Sternchen nochmal im Herbst nach Österreich in die Berge entführen. Dann kann ich hoffentlich ansprechendere Fotos vorweisen, die dieser Optik gerecht werden.


1/3200s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1
1/6400s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1
1/6400s | f/1,4 | ISO 200 | 50mm | K-1
1/1600s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1

Montag, 23. Juli 2018

[NMZ] Nachschlag aus Brügge

Sonnenaufgang in Brügge

Ergänzend zum Objektivtest des Sigma 70-300mm APO möchte ich heute noch ein paar Fotos aus Brügge nachschieben, die auf einer Fototour an einem frühen Morgen im Mai entstanden sind ... natürlich alle mit der K-1. Ich bleibe dabei: das Objektiv kann was.



Sonntag, 22. Juli 2018

[Objektiv gesehen] Sigma 70-300mm f/4-5,6 APO DG Macro - Telezoom fürs kleine Budget (Teil 2)

Sigma 70-300mm APO - ernsthafte Alternative für die K-1?

Im Mai begann meine Suche nach einem günstigen Telezoom für meine K-1. Ein aktuelles Modell kommt für mich aufgrund des finanziellen Aufwands und des eher selten zu erwartenden Einsatzes nicht in Frage, und so hatte ich mir im Mai ein älteres PENTAX FA 100-300mm F4,7-5,8 aus analogen Zeiten angeschafft. Ganz zufrieden war ich nicht, und so habe ich einige Wochen später zum Vergleich noch ein Sigma 70-300mm APO DG gebraucht gekauft. Erste Bilder hatte ich bereits mit meinen letzten Blog Beiträgen über die Galloprennbahn Weidenpesch sowie den Landschaftspark Duisburg gezeigt. Jetzt kommt der 'richtige' Test.

Das Sigma 70-300mm werden viele PENTAX User kennen, da es mit all seinen Varianten über Jahre gerne als günstigere Alternative zum PENTAX DA 55-300mm genommen wurde. Pentaxforums listet sechs verschiedene Varianten, meins hier ist das APO mit dem roten Ring. Als DG Objektiv leuchtet das Sigma den vollen Bildkreis des Kleinbildformats aus. Um so erstaunter war ich, dass ich im Netz so gut wie keine Infos darüber gefunden habe, wie gut das Objektiv an der Pentax K-1 abbildet. Liegt es daran, dass die Linse einfach zu "billig" ist, als dass sie an der Vollformat-Pentax akzeptable Bildqualität abliefern darf? Bei Pentaxforums datiert der letzte Test von Juli 2016, und es gibt keine Bewertung an einer K-1.

Skulpturen an der Strandpromenade von De Haan I (1/400s | f/5,6 | ISO 100 | 150mm | K-1) 
Skulpturen an der Strandpromenade von De Haan II  (1/1000s | f/5,6 | ISO 100 | 100mm | K-1) 
Skulpturen an der Strandpromenade von De Haan III  (1/250s | f/5,6 | ISO 100 | 120mm | K-1) 

Das Sigma 70-300mm APO ist gebraucht für deutlich unter hundert Euro zu bekommen, ich habe für ein gut gepflegtes Exemplar vom Händler nur 60 EUR zahlen müssen. Ein Händler mit Rückabwicklung war mir recht, da insbesondere die älteren Sigma Linsen einen Ruf haben, in Sachen Abbildungsqualität in der Serie zu streuen - was ich auch selbst in meinen wilden Objektiv-Ankauf-Verkauf-Zeiten mehrmals erfahren durfte (nicht nur mit Sigma, sondern mit allen Herstellern). Soviel vorab: ich hatte diesmal richtig Glück mit meinem Exemplar.

Das Gehäuse besteht aus einem sehr angenehmen, leicht angerauten Kunststoff. Die Farbe ist nicht ganz schwarz, sondern eher ein dunkles anthrazit. Mit dabei ist eine Gegenlichtblende, deren Materialanmutung aber weniger erfreut. Der Objektiv-Anschluss dagegen ist aus soliden Metall gefertigt. Zoom- und Fokus-Ringe sind breit ausgelegt und gummiert. Die Verstellung des Zooms hat für mich genau den richtigen Widerstand, ein versehentliches Ausfahren aufgrund der Schwerkraft (Zoom Creep) kann ausgeschlossen werden.

Griffige Gummierung und angenehmer Lauf von Zoom- und Fokus-Ring

Als ältere Linse, die auch an analogen Spiegelreflexmodellen mit PK Anschluss angesetzt werden kann, gibt es einen echten Blendenring mit A(utomatik) Stellung, so dass die Blende komplett über die Kamera gesteuert werden kann. Es gibt einen Schalter zur Aktivierung einer Makro Funktion, dazu aber später mehr.

Das Herauszoomen verlängert das Objektiv um etwa ein Drittel. Das Objektiv verjüngt sich vom Zoom-Ring, über den Fokus-Ring bis hin zum ausgefahrenen inneren Tubus. Dies sieht für meinen Geschmack etwas seltsam aus, kenne ich aber auch so von anderen Linsen in diesem Preis- und Brennweitensegment. Im Vergleich zum Pentax FA 100-300mm f/4,7-5,8 wirkt das Sigma etwas bulliger und breiter, von der Länge her sind sie aber gleich.

Schönheitspreise wird die Kombi aus K-1 und ausgefahrenem Sigma-Zoom
plus Gegenlichtblende nicht gewinnen
Sigma 70-300mm vs PENTAX FA 100-300mm im direkten Vergleich

Nach all den Äußerlichkeiten komme ich nun zu den inneren Werten. Das Objektiv bringt keinen eigenen Motorantrieb für die Fokussierung mit, dennoch ist die Verstellung relativ zügig und sicher und für meinen Geschmack auch nicht zu laut. Sicher hätte ich mich auch über einen Sigma HSM Ultraschallmotor gefreut, gibt es hier aber nicht. Der Fokus trifft zumeist akkurat, zumindest wenn der Phasen-Autofokus genutzt wird. Beim Kontrast-AF über Live View gibt es mehr Probleme, besonders in der Makro-Stellung. Hier durchläuft die Kamera auch gerne mal den gesamten Stellweg im Schneckentempo, was durchaus mehrere Sekunden dauert.

Der Autofokus ist ausreichend schnell und treffsicher, aber keine Sportskanone (1/1600s | f/6,3 | ISO 1250 | 300mm | K-1) 
Für Schnappschüsse am Strand immer zu haben  (1/640s | f/5,0 | ISO 100 | 70mm | K-1) 
Gut lachen - ein Foto aus dem Archiv. Das Sigma-Zoom hatte ich vor vielen Jahren schon
einmal gekauft und an der K-5 im Einsatz (1/320s | f/5,6 | ISO 500 | 240mm | K-5) 

Die echte positive Überraschung ist für mich die Abbildungsleistung. Mit der bin ich sehr zufrieden, deutlich besser als mit meinem alten FA Zoom.  Ich scheine ein wirklich gutes Exemplar des Sigma APO Zooms erwischt zu haben, das selbst an dem langen Brennweitem jenseits von 200mm im Zentrum ansprechend subjektiv scharfe (wenn auch ein wenig im Kontrast abfallende) Fotos produzieren kann ohne übertriebenen Randabfall. Natürlich hilft bereits leichtes Abblenden für eine weitere Steigerung, aber das gilt im Grund für jedes Objektiv. Auf jeden Fall habe ich beim Sigma keine Angst vor Nutzung der Offenblende.

Die APO Variante macht den Unterschied
Sehr erfreulich: ich konnte keine Fotos mit auffälligen Farbfehlern finden. Selbst bei Aufnahmen von Geäst im grellen Sonnenschein waren keine lilafarbenen oder grüne Farbsäume an kontrastreichen Übergängen auszumachen. Hier scheint die apochromatischen Korrektur in der APO Version der Linse wirklich ganze Arbeit zu leisten, das habe ich bei vielen Linsen schon anders gesehen.

Climbing im Landschaftspark Duisburg  (1/200s | f/7,1 | ISO 200 | 120mm | K-1) 
Einsames Beck's und butterweiches Bokeh  (1/1000s | f/7,1 | ISO 100 | 300mm | K-1) 
Vor dem Landesarchiv NRW am Duisburger Innenhafen (1/1000s | f/7,1 | ISO 100 | 300mm | K-1) 

Wie oben erwähnt leuchtet das Sigma Objektiv das komplette Kleinbild-Format aus, und ist somit mit der PENTAX K-1 ohne Einschränkung nutzbar. Bei Offenblende gibt es zwar eine deutliche Vignette, die aber in Lightroom über die Profilkorrektur herausgerechnet werden kann. Das Sigma wird übrigens in Lightroom nur als 'Sigma Lens' ohne weitere Spezifizierung erkannt. Grund dafür ist, dass Sigma beim K-Bajonett von Pentax für verschiedene Objektive die gleiche Lens ID verwendet. Das hat zur Konsequenz, dass in Lightroom das Objektivprofil für die Korrektur immer manuell ausgewählt werden muss. Hier hilft dann das Erstellen einer neuen Lightroom Vorgabe, bei der Eben nur der Punkt Objektivprofilkorrekturen aktiviert wird.

Der Macro Schalter bewegt sich erst
ab 200mm Brennweite
Eine Besonderheit des Sigma 70-300mm ist der pfiffige Makro Modus. Dieser ist im Brennweitenbereich zwischen 200 und 300mm über einen Schalter zuschaltbar. Dadurch wird dann der Fokusweg nach unten erweitert, bis zu einer Naheinstellung runter auf 95cm. Bei 300mm Brennweite entspricht das dann einem Abbildungsmaßstab von 1:2, wodurch sich das Objektiv den Namenszusatz Macro zu recht verdient. Der Stellweg ist meiner Meinung nach dennoch ein wenig zu kurz, um im Nahbereich feinfühlig manuell fokussieren zu können.

Zu bedenken ist auch, dass die Schärfentiefe bei solch hohen Brennweiten jenseits von 200mm (und dazu noch beim großen Sensor-Format) extrem gering ist. Wer mehr will, muss also deutlich abblenden. Nur leider musste ich bei meinem Exemplar feststellen, dass die Detailauflösung im Makro-Modus bei Offenblende am höchsten erscheint, und mit zunehmender Blendenzahl dann abnimmt. Somit geht der Gewinn an Schärfentiefe leider auf Kosten des subjektiven Schärfeeindrucks.

Etwas hakelig ist übrigens die Rückkehr zum normalen Modus, weil dann zunächst (manuell) eine Entfernung über 1,5m eingestellt werden muss, bevor der Schalter wieder umschaltbar ist. Dennoch erweitert der Makro Modus ganz klar die gestalterischen Möglichkeiten.

Erdbeeren mit Schlag als Freihand-Makro (1/200s | f/8,0 | ISO 6400 | 190mm | K-1)
Makro unter kontrollierten Bedingungen von Stativ (0,5s | f/9,0 | ISO 100 | 260mm | K-1)
Altes Schätzchen A 20mm - näher geht es nicht (0,3s | f/5,6 | ISO 100 | 300mm | K-1) 
Das überrascht: mit zunehmender Blendenzahl sinkt die Gesamtschärfe in der Makro-Stellung sofort

Mein Fazit fällt insgesamt sehr positiv aus. Aufgrund der guten optischen Eigenschaften und dem geringen Preis auf dem Gebrauchtmarkt gibt es eigentlich nur wenige Gründe, die gegen das Sigma 70-300mm APO DG sprechen. Und wahrscheinlich ist der geringe Preis sogar das größte Problem, denn wer möchte schon eine Linse um die 60 EUR an einer Vollformat-Kamera ernst nehmen?

Mich überzeugen die Bildergebnisse der alten Sigma Linse. Schärfeeindruck, Kontrast, Farben, Bokeh - alles stimmt für mich. Damit habe ich mein Budget-Tele für die K-1 gefunden. Ich denke, dass ich mit meinem Exemplar auch richtig Glück gehabt habe und kann nur ermutigen, es mit diesem Glas auch an einer K-1 einmal zu probieren. Für unkomplizierte Schnappschüsse, bei denen die flexible Tele-Brennweite eine echte Hilfe sein kann, ist das Sigma definitiv eine Alternative!

Offenblende ohne Vorbehalt, die Schärfe stimmt auf den Punkt (1/500s | f/4,5 | ISO 100 | 210mm | K-1)
Das Sigma 70-300mm APO stellt mich vollkommen zufrieden (1/640s | f/5,6 | ISO 100 | 150mm | K-1)