Donnerstag, 3. Mai 2018

[Objektiv gesehen] PENTAX FA 100-300mm f/4,7-5,8 - Telezoom fürs kleine Budget

Seltenes Telezoom mit ungewöhnlicher Offenblende aus Japan: FA 100-300mm f/4,7-5,8

Vor einigen Wochen habe ich mich nach einem preisgünstigen Tele-Zoom für die K-1 im Netz umgesehen. Auslöser war der Beginn der Fußballsaison meiner beiden Jungs und der Erkenntnis, dass mein DA* 200mm zwar eine ausgezeichnete Optik ist, mir aber am Platz ein variables Zoom-Objektiv mit mehr (und weniger) Brennweite und eventuell einem etwas zügiger arbeitenden AF Vorteile bringen könnte. Ich weiß, an eine 2000 EUR Kamera sollte eigentlich auch entsprechendes hochwertiges Glas. Und Ricoh hat mit dem DFA 150-450mm eine moderne Linse im Programm, welche aber ebenso teuer ist wie die Kamera.
Hübsch anzusehen trotz billiger Materialien. Die Gegenlichtblende muss extra besorgt werden.

Ansonsten wird das Eis dünn, wenn man nach aktuellen Objektiven mit Zoom über 200mm schaut. Es gibt noch das DA* 60-250mm, welches (gebraucht) in mein Beuteschema passen könnte, allerdings bietet es nur moderat mehr Brennweite und vignettiert im unteren Bereich stark (es ist als DA* Linse auch nur für APS-C beworben). Dafür kann es relativ leicht umgebaut werden und dann das volle Kleinbildformat ausleuchten. Das DA* Zoom liefert wohl sehr gut an der K-1 ab, was sich auch im PENTAX Lager herumgesprochen hat, so dass die Linse gebraucht vom Händler nun mit angezogenen Preisen ab 800 EUR gehandelt wird. Ich hatte im letzten Monat mein Glück mit einem günstigeren Exemplar aus Frankreich versucht, aber der Preis war wohl doch zu heiß - der SDM Autofokus funktionierte nicht. Zum Glück war die Rückabwicklung kein Problem.

Erster Einsatz des FA 100-300 beim Geocaching (1/250s | f/8 | ISO 800 | 270mm | K-1)
Schwan am Gruhlsee (1/640s | f/8 | ISO 320 | 100mm | K-1)

Aufgrund des geplanten, eher selteneren Einsatzes für Familien-Schnappschüsse habe ich meine Ansprüche jetzt stark herunter geschraubt, um das Budget zu drücken. Günstig sollte die Optik nun sein, gerne gebraucht. Somit verschob sich meine Suche in Richtung älterer Objektive inklusive Linsen aus der analogen Film-Ära und mit Schraubendreher-Autofokus.

Mein erster Japan Import, einfach und günstig
Die Pentax Forums Objektivdatenbank ist ein guter Ausgangspunkt zum Stöbern. Meine erste Wahl fiel auf das FA 100-300mm Objektiv mit variabler Blende 4,7-5,8, welches dort respektable 8,5 von 10 möglichen Bewertungspunkten erreicht. Es ist damit neben dem FA 20-35mm das höchst bewertete analoge FA-ohne-Sternchen-Zoom. Zudem äußern sich in den Kommentaren erfreulich viele K-1 Besitzer positiv zur Linse. Das Objektiv wurde zwischen 2000 und 2004 gebaut.

Es gibt noch zwei etwas lichtstärkere Vorgänger aus den Neunzigern, nämlich das F 100-300mm f/4,5-5,6  und das FA 100-300mm f/ 4,5-5,6 PZ. Diese sind aber im Forum schlechter bewertet. Gerade die FA Powerzoom Variante habe ich in Deutschland auf dem Gebrauchtmarkt öfters gesehen, für das vermeintlich neuere Modell habe ich im Netz leider kein Angebot im Inland recherchieren können. Und so kam es, dass ich das Objektiv auf eBay bei einem japanischen Händler gekauft habe und meinen ersten Japan-Import gewagt habe, inklusive Besuch beim Zollamt, welches zum Glück auf meinem Arbeitsweg liegt. Das Objektiv kostete mich so mit Versand und Zollgebühren ca. 90 EUR.

Alles Plastik, selbst der Objektivanschluß
Der Erstkontakt war durchaus positiv, mit wenig Überraschungen. Der optische Auftrifft im Silber-Plastik-Finish ist ohne Tadel. Es dominiert Kunststoff, sogar der Bajonettanschluss ist nicht aus Metall. Das Objektiv ist wirklich sehr leicht (ca 400g) und kompakt (ca 13cm lang, 58cm Filter). Im Vergleich wirkt beispielsweise ein Sigma 70-300mm DG bulliger. Der Zoom-Ring läuft mir zu leichtgängig, mit Hang zum Zoom Creep (also ungewollten Ausfahren, wenn Kamera und Objektiv zum Boden). Dagegen lässt sich der manuelle Fokus wenig feinfühlig einstellen, eher etwas sprunghaft. Das Objektiv bietet einen eigenen Blendenring. Das Herauszoomen verlängert das Objektiv um etwas ein Drittel gegenüber der eingefahrenen Stellung, was vom äußeren Eindruck noch harmonisch ausschaut. Alles in allem stimmt der Auftritt gemessen am Preis. Mehr aber auch nicht.


Draufsicht an der K-1 mit (zu) kurzer Noname-Gegenlichtblende
Spartanische Ausstattung: kein Quickshift, mitdrehende Front-Linse, Schrauben-AF

Ich habe mit dem Objektiv über mehrere Wochen fotografiert. Dabei kam sie hauptsächlich wie geplant an der K-1 zum Einsatz, aber auch an der K-5IIs. Was nun die fotografischen Ergebnisse bzw. optischen Qualitäten der Linse angeht, bin ich ein wenig zwiegespalten, aber nicht unzufrieden.

Loben möchte ich das subjektiv als schön empfundene Bokeh (was ja immer subjektiv ist). Immerhind verfügt die Blende über neun Lamellen. Dazu PENTAX typische Farben und Kontraste, zumindest wenn der Lichteinfall stimmt. Auch wenn das Zoom relativ lichtschwach ist, kann aufgrund des Brennweitenbereichs auch bei höheren Blendenwerten noch gut über gezielte (Un-) Schärfe freigestellt werden. Selbst Portraits gelingen mit dem Objektiv recht ordentlich.

Spiel mit der Schärfe am Kölner Rheinufer (1/160s | f/8 | ISO 100 | 100mm | K-1)
Willig für Portraits im gemäßigten Tele (1/400s | f/8 | ISO 160 | 110mm | K-5IIs)

Bei Streif- oder Gegenlicht nehmen die Kontraste stark ab, die Bilder wirken dann sehr schnell blass und flau, was aber für ältere Objektive ohne moderne Beschichtung nicht ungewöhnlich ist. Auch ein FA77 ist dafür recht anfällig. Eine Gegenlichtblende sollte somit Pflicht sein, hilft aber natürlich nicht immer (zumal wenn sie zu kurz geraten ist wie das günstige Exemplar, das ich mir gekauft habe).

Bei Gegenlicht wirken Aufnahmen schnell blass und flau (1/2000s | f/8 | ISO 1250 | 300mm | K-1)
Trotz harter Kontrastkanten wenig Neigung zu Farbfehlern (1(1600s | f/5,6 | ISO 500 | 240mm | K-1)

Recht schwierig fällt mir die Bewertung der Schärfe aufgrund der uneinheitlichen Ergebnisse, die ich mit der Optik erzielt habe. Bei Pentax Forums gab es immerhin 8,1 Punkte für die "Sharpness", so dass meine Erwartungshaltung recht groß war (wohl wissend,  dass viele Bewertungen an APS-C Kameras mit geringerer Auflösung zustande gekommen sind). Mein subjektives Schärfe-Empfinden würde eher 6 von 10 Punkte geben.

Dabei liefert das Zoom bei mäßiger Brennweite ordentliche Schärfe, vermag aber niemals das Auflösungsvermögen der K-1 auszureizen. Abblenden um zwei bis drei Blenden hilft deutlich, wobei dies natürlich gepaart mit der Lichtschwäche des Objektiv gleich zu hohen ISO Werten führt, um die für ein Tele notwendigen kurzen Verschlusszeiten zu erreichen. Das Zoom hat nach meiner Einschätzung bei Blende 11 und mittlerer Brennweite um die 135mm seinen Sweet Spot, hier gelingen manchmal auch Fotos, die von der Schärfe her richtig überzeugen können.

Bei mittlerer Brennweite ist der Schärfeeindruck bereits leicht abgeblendet gut (100% Crop)
Am langen Tele-Ende ist starkes Abblenden für ausreichende Schärfe notwendig (100% Crop, F8 und F11)

Mit zunehmender Tele-Brennweite verschlechtert sich leider der Schärfeeindruck meines Exemplars merklich. Bei Brennweiten jenseits der 200mm ist selbst durch starken Abblenden nur noch ein allenfalls befriedigendes Ergebnis zu erzielen.

Zum Vergleich was in Sachen Auflösung am Tele-Ende möglich ist, habe ich einige Testaufnahmen zusammen mit dem DA* 200mm gemacht. Der Fairness halber habe ich die Fotos vom FA 100-300 Zoom bei 300mm herunter skaliert auf die gleiche Bildauflösung, die beim DA* 200mm durch den 1,5er APS-C Crop übrig bleibt, so dass beide den gleichen Bildausschnitt zeigen. Trotz dieses Vorgehens, welches eigentlich durch das Herunterrechnen der Bildgröße zu Gunsten des FA Zooms ausfällt, sind die Auflösungsvorteile der DA* Festbrennweite wirklich mehr als deutlich. Selbst starkes Abblenden des FA Zooms auf Blende 11 ergeben bei 300mm ein schwächeres Ergebnis als Blende 4 beim DA* 200mm.

FA100-300mm @300mm vs DA* 200mm (Crop auf gleichen Bildausschnitt), beide f/8.
Im direkten Vergleich zeichnet das FA100-300 deutlich weicher und detailärmer.
FA 100-300mm im Sweet-Spot f/11 @300mm vs DA* 200 bei f/4 (Crop auf gleichen Bildausschnitt).
Obwohl nur einmal abgeblendet, zeigt das DA* immer noch mehr Details

Damit die Bildschärfe überhaupt stimmen kann, sollte natürlich auch der Fokus richtig sitzen. Was die Zuverlässigkeit des statischen Autofokus betrifft, bin ich ein wenig im Zweifel. Gefühlt habe ich mehr Fotos als gewohnt gesichtet, bei denen der Fokus nicht auf den gezielten Punkt gesetzt schien. Eine Justierung über der AF Feineinstellung habe ich aber nicht durchgeführt, weil eben auch einige Fotos auf den Punkt scharf waren.

Der Schrauben-AF ist nicht so langsam wie befürchtet, er erinnert mich an das beliebte DA 55-300mm Zoom (die alte Variante, nicht die neue mit Pulsmotor). Natürlich reicht die Leistung nicht für eine zuverlässige, kontinuierliche Fokus-Nachverfolgung meiner Jungs beim Fußballspiel, aber ein paar Zufallstreffer können dann doch gelingen. Dabei neigt der Autofokus erfreulicherweise nicht zu übertriebenen Hunting.

0,26x Vergrößerung, um kleine Dinge groß abzubilden (1/320s | f/10 | ISO 1600 | 210mm | K-5IIs) 
Bei schnellen Motiven hilft manuelles Fokussieren mehr als AF (1/6400s | f/7,1 | ISO 3200 | 170mm | K-5IIs)
Ab und an trifft auch der kontinuierliche Autofokus (1/1250s | f/9 | ISO 640 | 300mm | K-1)

Was bleibt? Für den Preis ist das FA 100-300mm 4,7-5,8 sicher eine Option, wer ein günstiges Tele-Zoom sucht. Dafür noch ein seltenes. Im Pentaxians Forum gibt es bis heute noch keinen eigenen Lens Club für dieses Objektiv (was ich bald ändern werde). Im moderaten Brennweitenbereich bis 200mm gelingen Fotos mit befriedigender bis guter Schärfe. Allerdings kauft man ja meist ein Zoom mit höherer Brennweitenzahl, um diese dann auch zu benutzen. Am langen Ende hat mein Exemplar dann doch eher versagt, so dass ich weiterhin eher zu meinem DA* 200mm greifen und croppen würde. Auch wegen des weniger anfälligen Gegenlichtverhaltens. Aber die Festbrennweite spielt natürlich auch preislich in einer anderen Liga.

Demnächst werde ich noch ein weiteres Budget Telezoom ausprobieren, nämlich das weit prominentere Sigma 70-300mm APO DG. Das Objektiv sollte zum Wochenende seinen Weg zu mir finden, ein Test sollte dann in ein paar Wochen auf diesem Blog folgen.

Bei diesem Motiv ist die Technik nur Nebensache :-) (1/400s | f/6,3 | ISO 400 | K-5IIs)
Ruhende Bälle liegen der Kamera-Objektiv Kombi mehr (1/1000s | f/5,6 | ISO 640 | K-1)
Stilleben sind dankbare Motive für den Pentax AF  (1/250s | f/5,6 | ISO 400 | K-1)

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