Donnerstag, 20. September 2018

[Objektiv gesehen] PENTAX-D FA* 50mm F1.4 - Nicht kleckern, klotzen!

Imposantes Auftreten - die erste Festbrennweite für das digitale PENTAX Vollformat

Im Zuge der digitalen Auferstehung des Kleinbildformats im PENTAX System durch die K-1 im Frühjahr 2016 hat Ricoh drei hochwertige, lichtstarke Zooms veröffentlicht. Diese Holy Trinitiy deckte zunächst den dringlichsten Bedarf flexibler Brennweiten bei hoher Bildqualität für den ambitionierten (und zahlungskräftigen) PENTAX Fotografen. Dazu gesellte sich noch das DFA 28-105mm als preiswertes Allrounder Zoom.

Moderne Festbrennweiten waren aber bisher Fehlanzeige. Das letzte Prime, was PENTAX offiziell für das 35mm Kleinbildformat herausbrachte, dürfte das DFA 100mm F2.8 Macro WR von 2009 gewesen sein, was aber auch im Grunde "nur" ein Update einer bestehenden Linse war. Die beliebten FA Limiteds und letzen FA* Objektive stammen sogar noch aus dem Ende der neunziger Jahre - und damit aus der analogen Filmära.

Das neue DFA* 50mm umringt vom DFA 28-105mm und DA* 200mm

Nun hat Ricoh endlich die erste völlig neu entwickelte Festbrennweite in der Star-Serie herausgebracht, die den Ansprüchen hochauflösender Sensoren Rechnung tragen soll. Ricoh Imaging Deutschland hat mir freundlicherweise ein Exemplar des DFA* 50mm für einen Test zur Verfügung gestellt.

Sonst nehme ich mir eigentlich einige Wochen (oder Monate), bevor ich mich traue, hier im Blog einen Praxistest zu posten. Leider fehlt mit aktuell (wie eigentlich immer) die Zeit (und vor allem der Urlaub), daher schreibe ich heute nur ein paar kurze Eindrücke, die ich im Laufe einer Woche mit der Optik gesammelt habe, bevor sie mich wieder Richtung Pentaxians Forum verlassen hat. Auch kann ich leider keine besonders aufregenden Bilder vorweisen, die dieser Linse gerecht werden. Denn soviel will ich jetzt schon schreiben: die Bildqualität hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt und (fast) Größe und Gewicht vergessen lassen.

Fast ein Kilogramm Gewicht, 10cm Länge ohne Sonnenblende, 8cm Durchmesser, 72mm Filter, 1200 EUR. Das sind schon imposante Werte für eine 50mm Normal-Brennweite. Die Lichstärke ist 1,4 standesgemäß hoch, aber nicht herausragend. Meines Wissens hat kein anderer Hersteller ein "Standard" mit solchen gewichtigen Werten im Programm, am ehesten kommt noch das Sigma 50mm 1.4 Art heran. Also alles nach dem Motto: nicht kleckern, klotzen!

Sichtfenster für die Entfernung und AF-MF-Schalter - gewohnte Bedienung wie bei anderen Sternchen Linsen
Der Blick von oben zeigt, wie wuchtig die Normal-Brennweite ist, selbst ohne Geli

Auf der japanischen Ricoh Homepage gibt es einen lesenswerten Artikel zur Entwicklungsgeschichte zum Objektiv, welches den Auftakt zu weiteren Sternchen Festbrennweiten geben soll. Der Artikel erklärt, warum das Objektiv solch ein Brocken werden musste. Letztendlich war es das Ziel der Ingenieure die für PENTAX bestmögliche Leistung aus der Optik herauszuholen, sowohl in Bezug auf die Bildqualität als auch Gehäuse, quasi ein neuer Benchmark für Standard Objektive.

Dabei ging es darum, alle Parameter der Abbildungsleistung zu optimieren, also hohe Auflösung bis an die Ränder auch bei offener Blende, möglichst wenige Verzerrungen oder chromatische Aberration, gefälliges weiches Bokeh mit kreisrunden  Unschärfekreisen. Ich wiederhole jetzt nicht den Inhalt des Artikels, sondern fasse es mal so zusammenfassen: wer optimale Bildqualität in allen Parametern anstrebt, braucht viele, große Linsen. Und diese brauchen Platz in einem stabilen, verwindungsfesten Gehäuse sowie einen leistungsstarken AF Motor, um die Linsengruppe für die Fokussierung schnell verschieben zu können.

Das Gehäuse fällt entsprechend wuchtig aus und macht einen sehr robusten Eindruck. Es erinnert mich an mein DA* 200mm Tele, welches (inoffiziell) ebenfalls das Vollformat bedient, aber noch zwei Zentimeter länger, dagegen aber auch gut 100g leichter ist. Wie dieses hat das DFA* 50mm ein kleines Fenster in der Gegenlichtblende, über welches bequem ein drehbarer (Pol-) Filter verstellt werden kann, ohne die Blende abnehmen zu müssen.

1/25s | f/2,0 | ISO 200 | 50mm | K-1
1/2500s | f/1,4 | ISO 200 | 50mm | K-1
1/1600s | f/1,8 | ISO 200 | 50mm | K-1
1/13200s | f/2,0 | ISO 200 | 50mm | K-1

Ich kann die Bewertung des Objektivs in einem Satz zusammenfassen: Mission erfüllt. Das Objektiv bildet hervorragend ab, und das bereits bei offener Blende 1,4. Ich lasse mich sogar hinreißen zu behaupten, dass es offen so gut abbildet wie die meisten meiner anderen Linsen bei ihrer förderlichen Blende. Dabei hilft ungemein, dass der Autofokus bei Einsatz des zentralen AF-Felds der K-1 sehr treffsicher agiert, egal ob an der 40cm Nahgrenze oder im Unendlichen. Das funktioniert bei anderen lichtstarken Objektiven wie meinen FA Limiteds nicht immer so zuverlässig. Überhaupt fand ich überraschend, wie scharf selbst bei Fokussierung in der Ferne gezeichnet wird, so dass das Objektiv auch bei Available-Light Aufnahmen von Stadt- oder Landschaftspanoramen prima abliefern wird.

Ich möchte es noch einmal drastischer formulieren. Das Objektiv schreit gerade dazu, mit offener Blende genutzt zu werden. Was bei vielen anderen PENTAX Optiken immer ein Kompromiss ist, kann hier ohne nennenswerte Einschränkung genutzt werden.  Zusammen mit der unaufgeregten Art, Unschärfe zu zeichnen, avanciert das Objektiv in meinen Augen zu einem echten Bokeh Meister (auch wenn dieser Titel arg inflationär vergeben wird). Die uneingeschränkte Nutzung der Offenblende muss auch sein, will ich Größe und Gewicht akzeptieren, denn bei Blende 2.8 oder mehr können auch andere, kompaktere Primes scharf zeichnen. Dafür bräuchte es nicht ein DFA* 50mm.

1/2500s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1
1/800s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1
1/3200s | f/1,4 | ISO 200 | 50mm | K-1
1/8000s | f/1,4 | ISO 400 | 50mm | K-1

Das Objektiv übersteht bei mir auch den Pixel-Peeping Test unter der virtuellen Lupe in Lightroom ohne Blessuren.  Seit LR Version 7.4 gibt es ein Objektivprofil für die Korrektur. Aber man muss schon zweimal hinschauen, um bis auf das Aufhellen der Ränder überhaupt eine Veränderung durch die Profilkorrektur wahrzunehmen.

Wer Haare in der Linsensuppe finden will, findet sie vielleicht bei kontrastreichen Übergängen in Form von Farbsäumen, die auch diese Linse bei Offenblende nicht völlig eliminieren kann. Aber das ist Jammern auf hohen Niveau, ich habe diesen Abbildungsfehler in meinen Testfotos wirklich suchen müssen (und dazu in Lightroom die Option "Chromatische Aberration entfernen" deaktivieren müssen).

Wunderschöne, weiche "Bubbles" ohne ausgeprägten Lichtkranz prägen das Bokeh (100% Crop)
Freihand "Makro" bei Offenblende (100% Crop)
Wer unbedingt sucht, kann auch hier leichte Farbsäume (CAs) am Bildrand finden (100% Crop)
Bei Offenblende minimal sichtbarer Schärfeabfall zu den Rändern - 1/500s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1

Zum Abschluss meines Kurztests habe ich das neue Sternchen gegen mein kompaktes FA 43mm Limited antreten lassen, welches zu meinen absoluten Lieblingslinsen zählt, egal ob an APS-C oder Vollformat. Es ist mit F1.9 ebenfalls recht lichtstark, aber ansonsten von den Eckdaten eine ganz andere Hausnummer. Und ich muss leider nach Sicht der Fotos im direkten Vergleich zugeben, dass bei großen Blendenöffnungen das DFA* 50 das Limited doch ziemlich alt aussehen lässt, im wahrsten Sinne des Wortes. Spätestens jetzt war mir klar, dass das DFA* 50mm schnell wieder weg muss ;-)

Bei Offenblende ist das neue Objektiv dem Limited klar überlegen:
 links DA* 50 bei F1,4, rechts FA43 bei F1,9 (100% Crop)
Leicht abgeblendet ist der neue Stern weiter klar im Vorteil:
 links DA* 50 bei F2,8 rechts FA43 bei F4 (100% Crop)

Was wird an Eindrücken bei mir hängen bleiben? Groß und schwer sollte klar geworden sein. Auch die Begeisterung für die Bildqualität. Egal ob Auflösungsvermögen nah und fern, Kontrast, Farben, Bokeh Anmutung. Alles überzeugt. Insofern haben die Ricoh Ingenieure ihr Versprechen erfüllt: We did our very best, so it provides the highest optical performance to be found in a single-focus standard lens. (Message aus Developer Story)


Das schnucklige FA 43 aus analogen Zeiten
ist ein Zwerg im Vergleich zum Wuchtigen DFA* 50
Dennoch hoffe ich weiterhin, dass Ricoh sich irgendwann wieder auf die alte Tugend "Kompaktheit" besinnt, was in der Vergangenheit immer eine große Stärke von PENTAX Kameras und Objektiven war. Ein digitales Update (oder Neuentwicklung) der FA Limited Linsen wäre so ein Wunsch, den ich hätte. Das wäre auch eine Nische im KB Segment, denn im Vergleich veröffentlichen auch die anderen Hersteller hauptsächlich große und schwere Linsen optimiert für den Leistungshunger hochauflösenderen Sensoren. Aber was weiß ich schon, was der Markt will. Ich zumindest bin von der Qualität der Linse fasziniert, aber dennoch passt sie nicht in mein Profil. Ich mag's weiter klein und schnucklig, und bin bereit, dafür auf maximale Abbildungsleistung und Lichtstärke zu verzichten.

Wenn ich großes Glück habe, darf ich das DFA Sternchen nochmal im Herbst nach Österreich in die Berge entführen. Dann kann ich hoffentlich ansprechendere Fotos vorweisen, die dieser Optik gerecht werden.


1/3200s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1
1/6400s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1
1/6400s | f/1,4 | ISO 200 | 50mm | K-1
1/1600s | f/1,4 | ISO 100 | 50mm | K-1

1 Kommentar:

  1. nächste Woche kann ich es auch testen und ich freue mich schon darauf! Danke für deinen ausführlichen Bericht.

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