Dienstag, 6. April 2021

Von Engeln und dem Sensenmann

Engelsfigur auf Melaten

Ostermontag und Aprilwetter. Schnee, Regen, Sonne. Alles innerhalb einer Stunde bei einem kurzen Spaziergang über Melaten. Meine letzten Besuche (mit und ohne Schnee) sind jetzt bereits über sechs Jahre her, also war es Zeit, diesem wunderbaren ruhigen Ort einen erneuten Besuch abzustatten. 

Zur Erinnerung: der Melaten-Friedhof ist Kölns größter Zentralfriedhof im Stadtteil Lindenthal. Ein stiller und ernster aber zugleich auch lebendiger Ort. So konnte ich einem kleinen Mädchen auf einem Dreirad und einem  älteren Herren (vermutlich der Opa) bei einem Wettrennen um den zentralen Platz zuschauen, ebenfalls beobachtet von den lächelnden Eltern, die dazu einen Kinderwagen entlang des Hauptweges schoben. Das war ein wunderbar optimistisches Bild, welches wie ich finde auch zu Melaten vortrefflich passt.

Ziel meines heutigen Besuchs sollte der Sensenmann sein, das wahrscheinlich prominenteste Grabmal auf Melaten. Der Sensenmann wacht mit Sanduhr und Sense in den knöchrigen Händen über das Grab von Martin Steinnus, dem viel zu jung verstorbenen Sohn der Steinmetzfamilie Steinnus. Ein schönes Detail ist der kleine Frosch zu Füßen des Sensenmannes, welcher für Martins Spitznamen Fröschlein steht. Ich erinnere mich, dass das Grab vor Jahren von vielen Bäumen und Pflanzen umgeben und daher nicht ganz so einfach zu finden war. Mittlerweile wurde hier aber viel Baumwerk entfernt, so dass der Sensenmann schon aus der Entfernung gut auszumachen ist, was ich tatsächlich ein wenig schade finde.

Was mir auch eindrücklich in Erinnerung geblieben ist, sind die Vielzahl von weiblichen Statuen auf Melaten, oft Engelsfiguren. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Größen und Stilen. Mal wachen sie übermenschlich groß über ein Familiengrab, manchmal sind sie nur kleine, beigestellte Figuren vor einem Grabstein. Und so gab ich mir diesmal schon vorher die Aufgabe, neben dem Sensenmann auch möglichst viele dieser Statuen fotografisch festzuhalten.

Aufgrund des abwechslungsreichen Wetters und einer eingehenden Nachricht meiner Frau auf meinem Smartphone, dass in 20 Minuten das Mittagessen fertig sei, war meine Zeit auf Melaten wieder viel zu kurz und reichte erneut nur aus, um höchstens ein Fünftel des gesamten Geländes flüchtig gesehen zu haben. Insofern ist ein erneuter Besuch fest eingeplant, nur sollte ich diesmal einen anderen Eingang wählen, um endlich einmal einen anderen Bereich von Melaten zu besuchen.

Und weil kaum ein Beitrag von mir ohne Technik auskommen kann, noch ein paar Anmerkungen zu eben dieser. Es kamen meine beiden PENTAX Kameras zum Einsatz: die K-1 mit dem DFA 200mm Tele sowie meine erst Ende letzten Jahres angeschaffte KP mit dem XS 40mm Pancake. Bei beiden Kameras hatte ich Bleach Bypass als Bildeffekt für die JPEG Entwicklung eingestellt. Ich dachte mir vorab, dass die dunkle Bildwirkung passend zu Ort und Wetter sei.

In Lightroom habe ich später noch eine stärkere Vignette sowie eine Farbverschiebung über Weißabgleich hinzugefügt, so dass die Ergebnisse recht düster und monochrom ausgefallen sind, also zumindest die morbide und traurige Seite eines Friedhofs geeignet interpretiert. Ich gebe zu, die anfangs beschriebene Lebendigkeit von Melaten ist dabei auf der Strecke geblieben, aber diese habe ich auch nicht in den Fotos einfangen wollen.

Dennoch fühle ich mich jetzt nach Betrachtung der Fotos doch noch zu einer Klarstellung hingerissen: mir geht es gut :-). Vielleicht ist die Wahl des Themas und der Bilder für einen ersten Blog Post nach über sieben Monaten Foto-Blog-Abstinenz etwas unglücklich, aber definitiv rein zufällig. Ich hatte einfach jetzt wieder Lust, ein paar Fotos zu zeigen und einige Zeilen zu schreiben. 

Ich hab auch wieder Ideen für kommende Beiträge, daran hat es ehrlicherweise auch nie gemangelt. Allerdings kommt mir meine Fotografie in diesen pandemischen Zeiten so belanglos vor, so dass ich einfach nichts mehr veröffentlichen wollte. Mal schauen, ob sich das wieder ändern lässt. In diesem Sinne, schön gesund und zuversichtlich bleiben!

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