Dienstag, 25. August 2020

[Objektiv gesehen] PENTAX-D FA 24-70mm F2,8 im Praxistest

Ein Objektiv für alle Fälle? PENTAX-D FA 24-70 F2.8

Lange hatte ich mit dem Gedanken gespielt, diesen Sommer obsiegte die Neugier und ich habe es getan: die Anschaffung des DFA 24-70 mm von PENTAX. Das Objektiv weiß im Volumen und Gewicht ähnlich zu beeindrucken wie mit seinem vollen Titel: HD PENTAX-D FA 24-70mm F2.8  ED SDM WR. Das 24-70 tritt an, mein bisheriges DFA 28-105 Standard Zoom zu verdrängen. Schauen wir mal in diesem Blog Post, ob es geklappt hat. 

Das DFA 24-70 ist bereits seit 2015 auf dem Markt, erschienen in Vorbereitung auf die K-1, der ersten PENTAX Vollformat DSLR. Insofern gibt es auch bereits viele Tests und Meinungen zu dem Objektiv. Empfehlen kann ich beispielsweise den Bericht bei Raus Klick Boom.

Wie oben angedeutet ist das Objektiv groß und schwer, zumindest im direkten Vergleich zum DFA 28-105. Das Objektiv mit 17 Glaselementen bringt über 780 Gramm auf die Wage, ist knapp über 10 cm lang und hat einen Filterdurchmesser von 82 mm, was glaube ich das Maximum ist, für das es noch Drehfilter gibt (meine größten Filter enden bei 77 mm). Wie so vieles im Leben sind aber auch hier Begriffe wie groß und schwer relativ, schielt man zur Konkurrenz hinüber. So bauen die Pendants von Canon, Nikon, Sony und Sigma alle ein wenig länger und schwerer, je nach Marke bis zu 4 cm und 300 Gramm. Auch preislich ist das PENTAX Zoom im Vergleich attraktiv. Der seriöse Händlerpreis startet derzeit neu bei 1100 EUR (Stand 08/2020), während die entsprechenden Canon und Sony Objektiv ca 1700 EUR bzw. 1900 EUR kosten.

Selbst das Tamron SP 24-70mm f2.8 Di VC USD, auf dessen Konstruktion das PENTAX DFA 24-70 basiert, bringt laut Datenblatt ein paar Gramm mehr auf die Waage. Das liegt nicht etwa an eingesparter Materialqualität, denn das Objektiv fühlt sich sehr wertig und robust an. Eher vermute ich, ist dafür die fehlende Bildstabilisator Einheit im Objektiv verantwortlich, die es bei PENTAX aufgrund der eingebauten Shake Reduction in der Kamera nicht braucht. 

Allrounder Kombination: K-1 und DFA 24-70 mm
Besonders die Draufsicht zeigt, wie wuchtig das Objektiv ist
Goliath (24-70) und David (28-105) ... wer siegt am Ende?

PENTAX hat das Objektiv nicht in seine höchste Sternchen Reihe eingeordnet, wie noch das DFA* 70-200 mm F2.8. Vielleicht, weil es eben keine Eigen-Konstruktion ist? Gegenüber dem Tamron ist das äußere Design auf PENTAX Linie angepasst, also mit der mit griffigen Noppen überzogenen Gummi-Beschichtung von Zoom- und Fokus-Ringen sowie dem typischen grünen Zierring. Als WR Objektiv ist es gegen die Widrigkeiten von Spritzwasser und Staub abgedichtet. Auch die HD Beschichtung der Frontlinse dürfte von Ricoh stammen. Insofern folgt die Optik dem Weg, den PENTAX auch mit dem DFA 15-30mm beschritten hat, welches ebenfalls der Kooperation mit Tamron entstammte. 

Davon profitiert auch der Autofokus, der zwar hier wieder mit SDM betitelt wird (und mich unangenehm an den für viele Ausfälle bekannten, alten Ultraschall Antrieb von PENTAX erinnert), aber wohl eher Tamrons Ultrasonic-Silent-Drive (USD) Motor nutzt. Dieser fokussiert das viele Glas auch ausreichend flott und leise. Wie bei den Sternchen-Zooms wird die aktuelle Entfernungseinstellung hinter einem Glasfenster angezeigt. Einen eigenen AF Schalter gibt es nicht, dafür aber einen für die Verriegelung des Zooms in der Weitwinkel Stellung.

Sonnenuntergang am Strand von De Haan | f/4 | 24mm
Strandzugang De Haan | f/3,5 | 70mm

Ein 24-70 deckt bekanntlich einen sehr attraktiven Brennweiten-Bereich ab, vom starken Weitwinkel bis zum leichten Portrait Tele. Gerade die vier Millimeter mehr Weitwinkel schaffen ein klar erkennbares Plus gegenüber den 28 Millimeter meines bisherigen Standard Zooms. Die durchgängige Blende 2,8 dürfte hauptsächlich für Gewicht und Größe verantwortlich sein, aber hier liegt auch neben der Weitwinkelstellung der große Mehrwert der Linse. Dabei geht es mir weniger um kürzere Verschlusszeiten aufgrund der hohen Lichtstärke, sondern um das gewonnene Potential für Freistellung durch einen engeren Schärfebereich. Gerade in der Telestellung gibt mir die Offenblende merkbar mehr Spielraum in der Gestaltung. Da passt es, dass das Objektiv im direkten Vergleich zum DFA 28-105 in meinen Augen ein noch gefälligeres Bokeh zeichnet. 

Das DFA 24-70 habe ich kurz vor dem diesjährigen Sommerurlaub gekauft in der Erwartung, dann ausreichend Zeit für die Beschäftigung mit dem Objektiv zu haben. Die Zeit war dann auch vorhanden, aber die ursprünglich geplante Reise durch Frankreichs Süden hatten wir abgesagt aufgrund der Unsicherheiten rund um die Corona Pandemie. Stattdessen haben wir uns eine Woche in der Gegend um Borkow und Sternberg in Mecklenburg-Vorpommern eingemietet, und darauf noch zwei Wochen an der belgischen Küste um De Haan und in Antwerpen verbracht. Von dort stammen auch alle Fotos, die ich in diesem Blog zeige. Dabei war das neue Zoom den Großteil der Zeit an der K-1 wie fest gewachsen. Nur ab und an habe ich zum Vergleich ein gleiches Motiv auch mit dem DFA 28-105 abgelichtet. Ziel war es, für mich herauszufinden, ob die neue Linse den Mehraufwand an Gewicht und Preis rechtfertigen kann, oder ob sie mich nach dem Urlaub wieder verlassen muss, um jemand anders glücklich zu machen.

Offenblende + Tele = Porträt | f/2,8 | 70mm
Schnappschuss-tauglich | f/2,8 | 50mm

Was die Möglichkeiten der Freistellung aufgrund der durchgängigen 2,8 Blende betrifft, ist das DFA 24-70 klar im Vorteil. Ich mag es einfach, ein Motiv durch gezielte Schärfe vom unscharfen Vorder- und Hintergrund herauszuarbeiten. Das geht natürlich auch mit dem lichtschwächeren DFA 28-105 bei entsprechend kürzeren Distanzen, aber die ein bis fast zwei Blenden Vorsprung des DFA 24-70 zahlen sich schon sichtbar aus. Am DFA 28-105 beträgt die nominale Blende bei 28 Millimeter Brennweite  3,5, bei 70 Millimeter bereits 4,5. Dazu kommt bei beiden Objektiven eine stimmige Farbwiedergabe, passend zu anderen PENTAX Objektiven, kombiniert mit einer kontrastreichen, aber nicht zu steilen Gradation.  

Was mir nicht so gut gefallen hat an der neuen Optik, ist die Leistung hin zu den Bildrändern. Selbst das Abblenden von zwei bis drei Blenden verschafft kein so homogenes Ergebnis wie beim billigeren 28-105er Zoom. Nicht falsch verstehen, die Leistung ist nicht schlecht, ganz im Gegenteil, aber Unterschiede zwischen den Rändern und Zentrum bleiben bei meinem Exemplar des DFA 24-70 erkennbar, egal bei welcher Brennweite und Blende. Das geht soweit, dass ich die Verwendung bei Landschaft und Architektur nicht uneingeschränkt für Pixel-Peeper empfehlen könnte. Das ist eventuell Meckern auf sehr hohem Niveau, und vielleicht auch meinem speziellen Exemplar geschuldet, aber wir sprechen auch über eine 1000 EUR Linse mit dem Anspruch einer außergewöhnlichen Abbildungsleistung. Mein DFA 28-105 liefert hier abgeblendet insgesamt ausgewogenere Ergebnisse.

Gespaltene Persönlichkeit in Antwerpen | f/8 | 35mm
DFA 24-70 vs 28-105 (1): Auflösung par Excellence an der förderlichen Blende
DFA 24-70 vs 28-105 (1): An den Rändern (wie hier oben rechts) gewinnt das
günstigere Objektiv beim Pixelpeeping

Auch nicht untypisch für ein lichtstarkes Standard-Zoom ist die Vignettierung, die besonders bei kleiner Blendenzahl im Verlauf eines blauen Himmels zu den Rändern auffällig wird. Ansonsten verhält sich die Optik in meinen Augen gutmütig und unauffällig, wie man es erwarten kann. Es gibt natürlich Verzeichnungen an den jeweiligen Brennweiten-Enden. Und natürlich nehmen im Gegenlicht die Kontraste ab und Blendenflecken zu. Manchmal gibt es Farbsäume, aber auch die muss man wirklich finden wollen. In meinen Augen ist das alles im grünen Bereich und vergleichbar mit anderen Zooms dieser Klasse. Was mir gar nicht gelungen ist, sind Fotos mit ansprechenden Blendensternen. Dies dürfte den abgerundeten Lamellen der Blende für ein weicheres Bokeh geschuldet sein. Aber auch damit kann es besser gehen, wie bspw. das DFA 15-30 mm oder das neuere DFA* 11-18 mm F2.8 mir zeigen konnten. 

Vor der St. Carolus Borromäuskirche, Antwerpen | f/5,6 | 24mm
Weisheit in einem Antwerpener Ladenfenster | f/3,5 | 29mm

Maßgeblich zum Ende des Urlaubs, mich dann doch gegen die Linse zu entscheiden (jetzt ist es raus), sind wieder Größe und Gewicht. Zwar ist die Kombination aus K-1 und DFA 24-70 extrem gut ausbalanciert und versprüht viel potenten Charme, aber mir ist das einfach too much. Eigentlich hätte mir das vorher schon klar sein müssen, denn ich hatte in der Vergangenheit ja bereits mit dem DFA* 50mm und DFA 15-30mm ähnlich große Klopper im Test, aber ich war halt neugierig. Die Neugier ist nun gestillt, und das Objektiv wieder verkauft.

Das DFA 28-105 passt doch besser zu mir, gerade unterwegs schätze ich das eingesparte Gewicht und den weniger dominanten Auftritt. Dabei half mir bei der Entscheidung auch die sehr gute, gleichmäßige Schärfeleistung von meinem DFA 28-105 über das gesamte Bild. Da ich im Portfolio neben dem Standard Zoom noch einige lichtstarke Festbrennweiten besitze (auch unterhalb von 24 mm) und einen Objektivwechsel nicht scheue, ist das Argument der höheren Lichtstärke zugunsten des DFA 24-70 nicht ausschlaggebend gewesen.  Wer aber hier nicht so breit aufgestellt ist oder sein will, oder weniger das Objektiv am Bajonett wechseln möchte, der findet in dem DFA 24-70 mm F2,8 einen starken Allrounder, der für viele Anwendungsbereiche genutzt werden kann. Wenn auf 2,8er Lichtstärke und das Mehr an Weitwinkel verzichtet werden kann, dann ist weiterhin das DFA 28-105 mm eine starke Empfehlung, zumal die Linse leichter, kleiner und viel günstiger zu haben ist. 

Minerva Statue am Steenplein, Antwerpen | f/4 | 70mm
Häuserfront am Vridjdamarkt, Antwerpen | f2,8 | 48mm
Zum Wohl! | f/3,5 | 33mm

Kommentare:

  1. Hi,
    interessanter Artikel. Ich habe fast zeitgleich den gleichen Prozess durchlaufen und bin zu ähnlichen, aber nicht den gleichen Erkenntnissen gelangt. Was bei dem "Dicken" noch auf der Haben-Seite steht ist auf jeden Fall eine verbeserte subjektive Bildwirkung, gerade im Nahbereich und bei Porträits. Außerdem sind die 4mm nach unten hin wirklich Gold wert. Am Ende habe ich jetzt beide Objektive ERSTMAL behalten. Denn beide haben sich bei meinem Ostseeurlaub bewährt. Ergo: Für die Touren durch Regen und Sand das 28-105. Für die gediegenen Ausflüge mit Familie das 24-70mm...
    Gruß
    Maik

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    1. Danke für Deinen Kommentar! Die Anmerkung zur "subjektiven Bildwirkung" kann ich nachvollziehen, wobei ich das für mich auf das bessere Freistellungspotential schiebe. Und ja, 24mm sind ein deutlicher Gewinn. Da gab es doch ein älteres F 24-50, vielleicht wird das mein nächstes Testobjekt ;-) Grüße Dirk

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